28. Februar 2018, Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers, Univ.-Prof. Dr. med. dent. Daniel Edelhoff

Neue Präparationsformen brauchen neue Schleifer.

Neue Präparationsformen brauchen neue Schleifer.


Warum ist es überhaupt sinnvoll, Zähne an Stelle klassischer Kronen mit der neuen Technik der Okklusionsonlays zu behandeln?

Edelhoff: Nun, zunächst muss man vorausschicken, dass Kronen haltbare und durchaus erfolgreiche indirekte Restaurationen sind. Die Verlustquote beispielsweise metallkeramischer Kronen ist nachweisbar gering. Allerdings beschreibt die Stellungnahme der DGPro, dass jeder Überkronung das Risiko des Vitalitätsverlustes innewohnt – und das gilt pro Zahn. Gerade bei umfangreichen Restaurationen zur Wiederherstellung der Kontur und Funktion zahlreicher Zähne addiert sich dieses Risiko. Die Hauptursache hierfür liegt in der Invasivität der Kronen-präparationen. In früheren Untersuchungen (Edelhoff u. Sorensen 2002) konnten wir nachweisen, dass bei der Kronenpräparation ca. 63–73 % des Volumens der jeweiligen Zahnkrone verloren gehen.

Mit der Verfügbarkeit verlässlicher adhäsiver Befestigungstechniken in Kombination mit Restaurationsmaterialien zahnähnlicher Transluzenz stehen uns heute wesentlich weniger invasive Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Ein überwiegend subtraktiv ausgerichtetes Konzept einer mechanischen Verankerung der Restauration mit klassischen Zementen wird zunehmend durch ein vornehmlich defektorientiertes und additiv ausgerichtetes Vorgehen ersetzt. Dies wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass zwar die Anzahl kariesbedingter Defekte in der Bevölkerung abnimmt, biokorrosive Defekte an den Zähnen jedoch erheblich zunehmen. Dies verlangt eine Modifikation klassischer Versorgungsformen zugunsten geringerer biologischer Kosten. Insofern lag es nahe, weniger invasive Präparationsformen zu suchen.

Ahlers: Tatsächlich sind in den letzten Jahren daher neue Präparationsformen entwickelt worden, bei denen deutlich weniger Zahnhartsubstanz abgetragen werden muss. Diese sind gleichsam „minimalinvasiv“. Voraussetzungen hierfür waren auf der Materialseite neue, festere zahnfarbene Dentalkeramiken und das Wissen, dass hiermit auch bei dünneren Wandstärken haltbare Restaurationen möglich sind. Je nach Präparationsform wurden diese als „Okklusionsonlays“ oder „Okklusionsoverlays“, teilweise aber auch eher salopp als „TableTops“ bezeichnet. Problematisch war bisher die Präparation, da die bisher verfügbaren Schleifinstrumente für klassische Kronen- und Teilkronenpräparationen entwickelt worden waren. Damit minimalinvasiv zu präparieren, verlangte allerhöchste Kunstfertigkeit. Das hat uns darauf gebracht, eine neue Generation von Schleifinstrumenten zu entwickeln, die das minimalinvasive Vorgehen erleichtern.

Warum ist es mit Ihrem neuen Set so viel einfacher, Okklusionsonlays zu präparieren?

Ahlers: Das liegt an den von uns entwickelten neuen Formen, die ein verändertes Vorgehen ermöglichen. Je nach Ausgangssituation wird im ersten Schritt kontrolliert die geplante okklusale Eindringtiefe markiert. Dabei zeigt die Lasermarkierung am neuen Schleifinstrument 855D während der Präparation, ob man bereits – wie geplant – 1 mm tief eingedrungen ist. Der gleiche Schleifer ermöglicht dann bei anderer Stellung den orientierenden Substanz-
abtrag okklusal. Zur Ausformung der Okklusalfläche haben wir völlig neue Okklusalschleifer (Figur 370) entwickelt, so genannte OccluShaper, die gleichsam automatisch, entsprechend den früher von einem Expertengremium veröffentlichten Prinzipien, die Kaufläche ausformen. Ein formkongruenter Finierer (Figur 8370) ermöglicht die Glättung der Oberfläche, ohne die Form zu verändern. Dies entspricht übrigens den Vorgaben der DGZMK zur Präparationstechnik.

Edelhoff: In der Folge wird dann mit einem ebenfalls neuen Schleifer mit spezieller Geometrie (Figur 8849P) die orovestibuläre Begrenzung des Onlays ausgeformt. Darin integriert ist ein undiamantierter Führungsstift, der sicherstellt, dass der Schleifer nur den genau definierten Abtrag vornimmt und nicht zu tief eindringen kann. Für evtl. notwendige approximale Präparationen kommen sehr schlanke Separierer (Figur (8)858) zum Einsatz. Optimal ergänzt werden diese durch ebenfalls neue, formkongruente, einseitig diamantierte Schallspitzen (SFM6 und SFD6), die ab Sommer 2017 verfügbar sein werden. Diese stellen sicher, dass auch bei geringer Abtragstiefe die Form genau umgesetzt wird – ohne dass die Nachbarzähne angeschliffen werden können. Die Effektivität der Schallspitzen wird dabei durch eine Rauigkeit sichergestellt, die leicht oberhalb der für klassische Finierer liegt.

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Kann jeder die neue Technik anwenden?

Edelhoff : Die erste Frage ist zunächst, in welchen Fällen sind solche Präparationsformen sinnvoll? Das ist immer dann der Fall, wenn die Behandlung mit einer die Okklusion bedeckenden Restauration nötig wird, die verbleibende Restzahnhartsubstanz aber eine minimalinvasive Präparation ermöglicht. Typischerweise also nicht bei klassisch tief zerstörten Zähnen, sondern bei im Bereich der Kaufläche massiv geschädigten Zähnen, bei denen zum Vitalitätserhalt oder zum Erhalt der verbliebenen biologischen Strukturen eine indirekte minimalinvasive Restauration erforderlich ist – dies sind restaurative Indikationen.

Ahlers: Hinzu kommen jene funktionellen Indikationen, bei denen eine restaurative Behandlung erforderlich ist, um eine Neueinstellung der Okklusion zu ermöglichen. Das ist nach den Stellungnahmen der DGZMK, der DGFDT, der DGPro, der DGKFO und der DGMKG dann indiziert, wenn im Rahmen einer entsprechenden Vorbehandlung gezeigt werden konnte, dass die Okklusion bzw. die Kieferposition wesentlich an der Entstehung funktioneller Beschwerden beteiligt ist und eine Korrektur geeignet ist, um die Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen. Aus meiner Sicht ist die zahnärztliche Beherrschung der Gesamtsituation in solchen Fällen die größere Herausforderung. Die Ausführung der Präparation ist im Vergleich dazu mit den neuen Schleifern gut kontrollierbar. So wie Übung den Meister macht, hilft es, vor dem klinischen Einsatz einmal ein Situationsmodell zu nutzen, um die minimalinvasive Präparation zu trainieren. Nach ein bis zwei Tests gewöhnt man sich an das weniger invasive Vorgehen und wird das neue Okklusionsonlay-Set schätzen lernen.

Was grenzt die neuen Instrumente von bestehenden ab?

Edelhoff : Ihre Form und die geringe Zahl an Instrumenten, die erforderlich sind, um die gewünschte Präparationsform effizient, vorhersehbar und kontrolliert zu erreichen. Auch die gemeinsame Entwicklung rotierender Schleifinstrumente und dazu passender Schallspitzen ist bislang einzigartig und vereinfacht das Vorgehen erheblich.


 


Optisch besonders auffallend sind die neuen OccluShaper. Es handelt sich dabei um ein vollkommen neues Design. Wo liegen die Vorzüge gegenüber bestehenden Formen, z. B. der gängigen Ei-Form?

Ahlers: Die OccluShaper sind dadurch geprägt, dass einerseits in der Mitte (Zentralfissur) eine Rundung erreicht wird, wie sie vor allem für keramische Präparationen erforderlich ist. Andererseits gibt der neue OccluShaper automatisch die Übergänge zu den Höckern vor und rundet diese mit seinem konkaven Profil im Sinne einer anatoformen Unterstützung konvex ab. Und das in zwei Größen, passend zu Prämolaren (Größe 030) und Molaren (Größe 035). Das Ei 379 hingegen war seinerzeit für die Präparation von Palatinalflächen vorgesehen. Seine Form ist im Grunde nicht für die okklusale Konturierung konzipiert. Und die Knospe 390 zielte auf das okklusale Einschleifen ab. Der hohe Substanzverlust klassischer Kronenpräparationen führte dazu, dass es keiner speziell angepassten Okklusalschleifer bedurfte – das ist jetzt anders.



Priv.-Doz. Dr. M. Oliver Ahlers
Spezialist für Funktionsdiagnostik und -therapie
Leiter CMD-Centrum Hamburg-Eppendorf

Prof. Dr. Daniel Edelhoff
Spezialist für Zahnärztliche Prothetik
Direktor der Poliklinik fur Zahnärztliche Prothetik
LMU München

Weitere Infos finden Sie in der Broschüre zum Thema.

 


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