18. Mai 2018, Antje Meier

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 4/7

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 4/7

Bruxismus als Risiko: Was gilt es dabei generell zu beachten?

Edelhoff: In einer kontrollierten prospektiv angelegten klinischen Langzeitstudie an der LMU München haben wir sehr viele Patienten mit Bruxismus im Rahmen komplexer Rehabilitationen mit monolithischen LS2-Okklusionsonlays versorgt. Bei Beobachtungsdauern bis zu zehn Jahren wurden bislang hervorragende Ergebnisse erzielt. Erfolgsfaktoren sind nach meiner Meinung ein adäquates Front-Eckzahn-geschütztes Okklusionskonzept mit ausreichenden Freiräumen in der Zentrik und flach gestalteten Führungsflächen. Elementar wichtig ist auch die Schutzschiene für die Nacht. Einen großen Risikofaktor stellen in diesem Zusammenhang allerdings endodontisch behandelte Zähne mit einem umfangreichen Zerstörungsgrad dar.

Ahlers: Die einschlägige Leitlinie Vollkeramikrestaurationen (S3) stellt fest, dass eine Behandlung beispielsweise mit monolithischen Restaurationen aus Lithiumdisilikatkeramik durchaus erfolgen kann, wenn der Patient über die erhöhte Verlustrate bei Bruxismus informiert ist und der spätere Schutz der Restaurationen mit einer nachts zu tragenden Okklusionsschiene empfohlen wird. Für den Einsatz glaskeramischer Restaurationen aus monolithischem Lithiumdisilikat spricht zudem aus meiner Sicht, dass dessen Verschleißverhalten weitgehend schmelzidentisch ist. Das Material „stört“ also nicht im Kauorgan, verhindert aber die sonst nach Verlust der Schmelzbedeckung eintretende Progression des Zahnverschleißes. Hintergrund: Patienten mit Biokorrosion verlieren – gerade bei pathologischem Zahnverschleiß und freiliegendem Dentin ohne die Okklusionsonlays viel schneller Zahnhartstubstanz.

Gegen noch härtere Materialien spricht aus meiner Sicht, dass die eingeleiteten Kräfte sonst in den empfind-licheren Zahnhalteapparat abgeleitet werden. Frau Prof. Gierthmühlen, Universität Düsseldorf, konnte in ihrer Freiburger Zeit nachweisen, dass bei Überschreiten der Belastungsgrenze dünnschichtige okklusale Keramikrestaurationen innerhalb der Restaurationen frakturieren; die darunterliegenden Zähne bleiben intakt. Im Vergleich dazu verläuft bei dickeren Schichtstärken der Glaskeramik die Frakturlinie durch den Zahn mit dem Risiko des Totalverlusts des darunterliegenden Zahns. Aus Sicht des Zahnerhalts spricht also viel dafür, eher mit dünneren Restaurationen aus Lithiumdisilikat zu arbeiten und im Zweifel nach überkritischer Belastung eher die Restauration zu ersetzen als den Zahn.
 


Abb. 4: Darstellung der Präparation für ein Okklusionsonlay an einem Patienten mit ausgeprägter Biokorrosion/Attrition. Die eigentliche Ausformung der Okklusalfläche erfolgt mit speziell für diesen Zweck geformten Instrumenten, die im Bereich der Zentralfissur einen ausreichenden Substanzabtrag sicherstellen und diesen zugleich im Bereich der Höckerspitzen begrenzen. Hier: "OccluShaper" der Fa. Komet (Prämolaren: (8) 370.314.030, Molaren: (8) 370.314.035)

Abb. 5: Darstellung der Präparation für ein Okklusionsonlay an einem Simulationsmodell. Anlegen eines vestibulären und oralen Präparationsrandes (0,5 mm Hohlkehle) mit dem neuen Spezialschleifer (Form 8849P.314.016) der Fa. Komet bis zum Anschlag des Führungspins.



Kommen wir zur Präparation von Okklusionsonlays. Was läuft dabei anders als bei Teilkronen und Kronen?

Edelhoff: Eine unverzichtbare Voraussetzung, insbesondere bei komplexen Rehabilitationen, ist ein zuvor angefertigtes diagnostisches Wax-up. Die Präparationen sollten immer durch ein Waxup-Modell, eine Tiefziehfolie oder einen Silikonschlüssel – abgeleitet vom Wax-up – vorgegeben werden. Auf diese Weise wird nur die Zahnhartsubstanz abgetragen, die für die Mindestschichtstärke des Okklusionsonlays (1 mm) benötigt wird. Spezielle Präparationsinstrumente sind ein wichtiger Punkt zur „Ökonomisierung des Zahnhartsubstanzabtrags“. Vor dem Hintergrund einer stetigen Ausweitung vollkeramischer Restaurationen und der CAD/CAM-Fertigung halte ich viele klassische Präparationssets für nicht mehr zeitgemäß. Sie sind häufig noch auf metallbasierte Voll- oder Teilkronentechniken abgestimmt. In den Abbildungen 4 bis 6 sehen Sie zeitgerechte Schleifkörper und Schallspitzen mit neuen Geometrien, die auf die Anforderungen der aktuellen zahnfarbenen Materialien und Herstellungsmethoden abgestimmt sind.

Abb. 6: Darstellung der Präparation für ein Okklusionsonlay an einem
Simulationsmodell. Bei Bedarf stehen neue diamantierte Schallspitzen
SFM6/SFD6
("Approximalschwert") der Fa. Komet zur Verfügung. Mit diesen
wird nach entsprechender Vorpräparation, eine abschließende Bearbeitung der
approximalen Präparationsfläche in einem Schritt ermöglicht. Der zervikale
Rand dieser Schallspitzen ist so ausgeformt, dass genau die für hochfeste
Dentalkeramiken erforderliche Geometrie entsteht.
   



Ahlers: Ich sehe es auch so: Herkömmliche zahnärztliche Präparationsinstrumente sind für Restaurationen mittels Metalllegierungen entwickelt worden. Mit dem Übergang zu keramischen Restaurationen wurden diese insoweit verändert, als scharfkantige konische oder zylindrische Schleifer an den Übergängen abgerundet wurden. Für die Präparation von Okklusionsonlays ist es aber sinnvoll, von vornherein weniger invasiv und im Kauflächenbereich „runder“ zu präparieren. Daher sollten dafür spezielle Präparationsinstrumente eingesetzt werden. Voraussetzung ist ein entsprechendes Präparationskonzept (siehe Kasten II, Präparationskonzept).


PD Dr. M. Oliver Ahlers
studierte Zahnmedizin in Hamburg und hat sich bereits 1992 auf die Funktionsdiagnostik spezialisiert, 2005 Gründung u. zahnärztliche Leitung des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf.
oliver.ahlers@cmd-centrum.de
 
Prof. Dr. Daniel Edelhoff
studierte Zahnheilkunde in Aachen und ist seit 2014 Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum München, seit 2016 Präsident der AG Dentale Technologie (ADT).
daniel.edelhoff@med.uni-muenchen.de
 


Zweitveröffentlichung aus DM 7-17


  

Weitere Infos zum Thema Okklusionsonlay finden Sie in der Broschüre.




 

Antje Meier
konservierende Zahnheilkunde | Komet Dental



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