21. September 2018, Axel Mühlhäuser

Eine abnehmbare Totalsanierung auf Implantaten - Teil 3

Eine abnehmbare Totalsanierung auf Implantaten - Teil 3

Durch die gestiegene Lebenserwartung besteht bei älteren Patienten mit keinem oder wenig Restzahnbestand vermehrt der Wunsch sowohl nach einer kosmetisch als auch einer funktionell verbesserten Versorgung. Durch die Implantattechnik lässt sich hier ein fehlendes oder geringes Restzahnangebot entsprechend erweitern. Da festsitzende Versorgungen aber nicht immer möglich, sinnvoll oder gar kontraindiziert sind, verbleibt letztendlich oftmals der abnehmbare Bereich, wie in diesem Beitrag.

In den ersten beiden Teilen (Ausgabe 4/2017 und 5/2017) ging der Autor auf die Herstellung der Primär- und Sekundärteile sowie die Tertiärstrukturen einer Patientenversorgung ein. Nun stehen die Fertigstellung der Prothese sowie die Einprobe im Vordergrund.

Finale Einprobe und Fertigstellung

Bei der finalen Einprobe gehen wir ge­trennte Wege für die Kosmetik und die Funktion. Auf den verschraubten Aufstellschablonen erfolgt die definitive Aufstellung mit allen bisherig gewon­nenen Erkenntnissen und Änderungen. Gleichzeitig wird in dieser Sitzung die Passung und der Sitz der Unterkonstruk­tion geprüft. Aus unserer Sicht ist eine reine Gerüstanprobe ohne Zähne hier von Vorteil. Der Behandler hat unein­geschränktes Sichtfeld und kann somit die Endposition und den Sitz bestmög­lich prüfen. Zudem kann bereits die Friktion sicher überprüft werden, bei bestem Grip und ohne die Gefahr, dass beim Abheben die Wachsaufstellung verändert wird.

Im vorliegenden Fall war der Patient mit der Kosmetik mehr als zufrieden, bereits die Einprobenausfor­mung empfand er als sehr angenehm. Es bestanden keinerlei Bissabweichun­gen und der Sitz bzw. die Friktion der Gerüstkonstruktion war beeindruckend und perfekt. Entsprechend konnte nunmehr die Fertigstellung erfolgen.

 
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Abb. 1: Ausmodelliert zur Fertigstellung. Abb. 2: Palatinal mit Ergänzungen.

Zur Fertigstellung werden die Prothe­senränder der Aufstellschablone allsei­tig festgewachst und der Prothesen­körper fein ausmodelliert (Abb. 1), im Bereich der Pfeilerzähne ist im UK großzügig auszublocken, damit Platz für die Sekundärteleskope besteht. Palatinal wird etwas großzügiger und breiter aus­modelliert, um ausreichend Platz für das Gerüst sicherzustellen (Abb. 2). Die ei­gentliche Form ergibt sich sodann auf­grund der Platzverhältnisse beim Ausarbeiten bzw. einem zungenfreundlichen Übergang zur Schleimhaut. Mit einem zweiteiligen Vorwall (aus Platinum 85, Zhermack) erfolgt die eigentliche Fertig­stellung im Oberkiefer. Vorab sind retral zwei Einlauftrichter anzubringen.

 
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Abb. 3: Der zweiteilige Platinumvorwall. Abb. 4: Hochglanzflächen mit Schutzlack abgedeckt.

Hierbei wird zuerst der bukkale Bereich fixiert, oral bis knapp über die Prothesenzähne hinweg. Nach dem Aushärten kann der Übergang ideal beschnitten, mit Fixierungskerben versehen, isoliert und der palatinale Bereich mit Platinum ergänzt werden (Abb. 3). Bis zum Aushärten be­ginnen wir mit dem Opakern der Ge­rüstkonstruktion. Vor dem Sandstrahlen sind die basalen Hochglanzflächen mit einem Silikonschutzlack abzudecken (Abb. 4). Entsprechend den Angaben des Haftverbundsystems wird anschlie­ßend sandgestrahlt, der Silkonschutz­lack abgezogen und der Haftvermittler aufgebracht (Abb. 5). Nunmehr wird der Opaker aufgetragen, die erste Opaker­schicht darf keinesfalls deckend sein. Nach dem Zwischenhärten erfolgt schrittweise der deckende Opaker­auftrag (Abb. 6).

 
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Abb. 5: Alle Bereiche sandgestrahlt. Abb. 6: Rosa Opakert

Zwischenzeitlich sind auch die Modelle samt Vorwällen in warmem Wasser ge­wässert, hierdurch werden die Entnahme der einzelnen Zähne und die Entfernung des Wachses erleichtert. Im Zahnsieb können diese dann ohne die Gefahr der Verwechslung abgebrüht und abgedampft werden (Abb. 7). An­schließend schleifen wir noch, soweit es die Platzverhältnisse erlauben, me­chanische Retentionen ein, strahlen die basalen und zervikalen Bereiche an und bringen den Haftvermittler auf.

Abschließend werden die Zähne mit einem „Hauch“ Sekundenkleber wieder in den Vorwall reponiert (Abb. 8). Be­achtenswert die stellenweise minimalen Platzverhältnisse bei 24 und zervikal im Frontbereich. In diesem Stadium muss nochmals nacheinander eine letzte Kontrolle mit dem opakerten Gerüst und dem Labialvorwall und Pa­latinalvorwall erfolgen, es darf keinerlei Kontakt zu den Prothesenzähnen be­stehen.

 
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Abb. 7: Zähne abgebrüht, das Zahnsieb verhindert Verwechslungen. Abb. 8: Mit Retentionen, sandgestrahlt und Haftvermittler aufgetragen.

Die eigentliche Fertigstellung erfolgt mit wenigen, aber effizienten Komponenten: das Aesthetic Blue Set (Candulor) in der Farbstellung F34 (ori­ginal pink geadert), das Isoliermaterial ISO­K (Candulor) und entsprechende Anrührbecher (Abb. 9). Wenn die Mo­delle gereinigt sind, wird ausgeblockt, gewässert und isoliert. Soweit partiell mit Wachs ausgebockt wird, sind auf diesen Bereichen Isolierrückstände sorgfältig vorab zu entfernen, um Nach­teile in der späteren Kunststoffober­fläche wirkungsvoll zu verhindern. So­ dann wird die Gerüstkonstruktion eingegliedert, ein feiner, zirkulärer Ring aus Vaseline entlang der Implantat­schürzen schützt diese vor dem Kunst­stoff und dichtet die Teleskopkronen ab. Abschließend werden die beiden Vorwallhälften im Oberkiefer auf dem Modell und gegenseitig mittels einem Tropfen Sekundenkleber fixiert.

 
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Abb. 9: Das AESTHETIK Blue Set. Abb. 10: AESTHETIC Blue Autopolymerisat ist eingebracht.

Die Fer­tigstellung mit Aethetik Autopolymerisat (Candulor) erfolgt in bekannter Art und Weise, ein intensives Durchmischen für 20 bis 30 Sekunden ist hierbei beson­ders wichtig und eine abschließende Ruhezeit von rund 15 Sekunden lässt eventuell vorhandene Bläschen aufstei­gen. Beim Einbringen ist darauf zu ach­ten, dass hier langsam und gleichmäßig eingefüllt wird, um ein sicheres Entwei­chen der vorhandenen Luft in der ge­genüberliegenden Öffnung zu gewähr­leisten (Abb. 10). Das Ergebnis im Oberkiefer ist ohne Blasen oder Fehl­stellen, die Oberfläche detailgetreu und glatt (Abb. 11). Auch im Unterkiefer ein schönes Ergebnis, gut zu erkennen sind mesial und distal die rosa Wachsanteile vom Ausblocken der Teleskopkronen (Abb. 12).

 
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Abb. 11: Müheloses Ausbetten ohne Fehlstellen oder Rückstände. Abb. 12: Rosa Wachs hat die Verblendflächen geschützt.

Vor dem Abheben der Prothese sind un­bedingt die Zentrik sowie Laterusion/ Protrusion exakt einzuschleifen. Aus­ gearbeitet wird nach bekannter Art und Weise. Beim Ausarbeiten besonders hilfreich und zeitsparend: Ein Spezialfräser für Kunststoff (H251 ACR, Komet Dental) und ein Dualfräser (H251 EQ, Komet Dental). Mit dem Kunststofffräser kann besonders effizient ein grober Ab­trag erledigt werden (Abb. 13). Mit dem Dualfräser lässt sich im vorderen Bereich durch die feine, aber schnittfreudige Verzahnung der Zahnfleischsaum schön ausarbeiten, der hintere Bereich ist für die gröberen Arbeiten wie Pressfah­nen, Randbereiche etc. vorgesehen (Abb. 14) – ein lästiger und zeitintensi­ver Werkzeugwechsel wird deutlich ge­mindert.

 
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Abb. 13: Das grobe Ausarbeiten. Abb. 14: Der Dualfräser spart lästigen Werkzeugwechsel.

Die kreuzverzahnten Rosen­bohrer (H71EF, Komet Dental) runden unser Ausarbeitungsset ab. Abschlie­ßend schmirgeln wir die Prothesen in altbewährter Manier. Bereits jetzt zeigt sich ein ansprechendes Ergebnis (Abb. 15), der Polieraufwand wird hier sicher nicht sehr hoch und zügig von stattengehen. Von palatinal gut zu er­kennen ist die zungenfreundliche Aus­formung, die Gaumenfalten sind im Pro­thesenkörper weitergeführt (Abb. 16). Auch im Unterkiefer wurde versucht, so­ weit bezüglich der Aufstellung möglich, die Ausformung entsprechend dem verbliebenen Bereich anzupassen bzw. fließende Übergänge zu realisieren (Abb. 17). Die Politur erfolgt erst nach Fer­tigstellung der Kompositverblendungen.

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Abb. 15: Ein ansprechendes Ergebnis nach dem Schmirgeln. Abb. 16: Die Gaumenstruktur ist weitergeführt. Abb. 17: Die zungenfreundliche Ausformung.

Kompositverblendungen

Vor dem eigentlichen Verblenden sind die Platzverhältnisse und das Gerüst nochmals zu kontrollieren. Besonderes Augenmerk sollte auf die Reduktion der Retentionsperlen, die okklusalen Platz­verhältnisse, einen gleichmäßig ausgearbeiteten Goldrand und einen ausrei­chenden Abstand zum rosa Kunststoff­sattel gelegt werden (Abb. 18). Nun­ mehr sind die Verblendflächen mit Alu­miniumoxid 50 –120µ bei maximal 2 bar Druck abzustrahlen (Abb. 19), anschlie­ßend darf das Gerüst nicht mehr ab­gedampft werden, um einen sicheren Haftverbund sicherzustellen.

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Abb. 18: Vorbereitet zum Verblenden. Abb. 19: Sandgestrahlt. Abb. 20: Haftvermittler aufgebracht.

Über­schüssiger Strahlsand kann mittels einem feinen Pinsel oder Druckluft ent­fernt werden. Im weiteren Ablauf wird der Metallprimer in einer dünnen Schicht aufgetragen, eine Pfützenbil­dung ist unbedingt zu vermeiden. Als visuelle Kontrolle dient eine gleichmä­ßige, dunkle Abtönung (Abb. 20). Der ersten Opakerschicht des dualhärten­den Materials (Licht und Hitze) kommt für einen sicheren Haftverbund eine besondere Bedeutung zu. Diese darf keinesfalls deckend sein, der Auftrag erfolgt entsprechend einem „Washopa­kerauftrag“ in der Keramik (Abb. 21). Ausgehärtet wird mit einer geeigneten Lichtquelle für 40 Sekunden je Schicht. Je nach Erfordernis kann im Hals­ und/ oder Interdentalbereich mit einem dunkleren Opaker oder durch Bei­mischen der Zervikal­Intensivfarbe zu­sätzlich abgetönt werden (Abb. 22).

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Abb. 21: Erste dünne Opakerschicht. Abb. 22: Zahnhals dunkel abgetönt.

Abschließend erfolgt der vollständige, deckende Opakerauftrag (Abb. 23) und die Aushärtung mittels Licht. Zusätzlich erfolgt bei diesem Material eine Zwi­schenhärtung auf dem Modell mit dem Kerr Curing Unit für zehn Minuten bei 140 Grad (ohne Schutzgas), um bereits in diesem Stadium eine sichere Tiefen­durchhärtung zu gewährleisten und eine mögliche Schlierenbildung beim Schichten völlig auszuschließen. Kei­nesfalls darf dies unter Stickstoffatmosphäre geschehen, da ansonsten die für den weiteren Haftverbund notwen­dige Dispersionsschicht zerstört würde. Gleichfalls würde eine längere Polyme­risationszeit als zehn Minuten die Dis­persionsschicht schädigen. Nach dem Abkühlen erfolgt das Applizieren der Halsmasse, die Schichtung je nach ge­wünschter Wirkung verlaufend oder scharf abgegrenzt und der bukkale Dentinauftrag (Abb. 24).

 
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Abb. 23: Vollständiger Opakerauftrag. Abb. 24: Hals- und Dentinmasse bukkal.

Um eine ex­akte Farbreproduktion zu den Prothe­senzähnen zu erreichen, darf im Hals­bereich kein Schneidemassenüberzug vorhanden sein. Durch eine leichte Überkonturierung des Dentinkerns im Bauchbereich lässt sich dies wirkungs­voll verhindern. Nach dem Zwischen­härten mittels Licht erfolgt die Schich­tung der okklusalen/lingualen Bereiche (Abb. 25). Hierbei ist eine stetige Kon­trolle mittels Gegenbiss vorzunehmen um Fehlschichtungen zu vermeiden (Abb. 26). Mittels Intensivmassen und/oder Intensivfarben erfolgt die Individu­alisierung der Verblendung (Abb. 27). Hierbei ist zu beachten, dass dunklere Farben länger mittels Licht polymeri­siert werden müssen, um eine sichere Durchhärtung zu gewährleisten und spätere Schlieren beim Schichten zu verhindern.

 
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Abb. 25: Lingual und okklusal vervollständigt. Abb. 26: Laufende Kontrolle im Artikulator. Abb. 27: Farbliche Akzentuierungen.

Abschließend erfolgt der Schneidemassenauftrag (Abb. 28), auch hier nach gewohntem Schema: Zuerst gesamte Bukkalflächen, dann eine Zwi­schenhärtung und zuletzt die okklusa­len/lingualen Bereiche mit Schlusspoly­merisation. Letztendlich entscheidend für die besondere Güte dieses Materials ist aber die 20­minütige Vergütung bzw. Endpolymerisation auf dem Mo­dell im Curing Unit (Abb. 29) unter Hitze (140 Grad), Druck (5,5 bar) und Schutz­gas (Stickstoffatmosphäre). Hieraus re­sultieren die wesentlichen Vorzüge von Premise Indirect (Kerr Dental) bezüglich Härte, Polymerisationsrate und Plaque­ affinität.

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Abb. 28: Vollständiger Schneidemassenauftrag. Abb. 29: Vergütung im Curing Unit bei Hitze, Druck unter Schutzgas.

Ausarbeiten und Politur

Nachdem das Modell und die Prothese langsam ab­gekühlt sind, kann in gewohnter Art und Weise aus­gearbeitet werden. Wir verwenden hier nur kreuzver­zahnte bzw. schneidende Fräser. Grobe diamantierte Fräser können die Nanofüllstoffe an der Oberfläche zertrümmern und führen zu einem erhöhten Polier­aufwand bzw. schlechterem Polierergebnis mit erhöh­ter Plaqueaffinität. Unser Sortiment zum Ausarbeiten erstreckt sich auf wenige, aber sehr effiziente Formen, im Kompositbereich sind vor allem die Fräser aus der UK­Serie (für Keramik und Komposit) mit ihrer Schnittfreudigkeit und gleichzeitig hoher Ober­flächengüte unser Favorit (Abb. 30).

 
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Abb. 30: Ausarbeiten mit Texturmarker Silver. Abb. 31: Spaltfreier Sitz der Abutments.

Das Ausarbeiten unter Silberpuder ist für uns obligatorisch und zeigt deutlich die Form und Struktur. Nach dem gründli­chen Reinigen sind noch die Übergänge Verblendung zum Sattel mit Aesthetik Autopolymerisat (Candulor) anzutragen und auszuarbeiten. Nunmehr kann die Politur der Verblendungen als auch Prothesenanteile erfolgen, wie gewohnt von grob nach fein. Zuerst an der Poliereinheit mit Bürste/Bims, Bürste/Poliermittel und zuletzt Schwabbel/Poliermittel. Jedoch ist dies für Kompositverblendungen nicht ausreichend. Um hier langfristig ein positives Plaqueverhalten zu errei­chen, muss die Schlusspolitur unter dem Stereo­mikroskop unter Verwendung von Robinsonbürst­chen und Diamantpolierpaste vorgenommen wer­den.

Nur unter dem Mikroskop lassen sich feinste Kratzer erkennen und beseitigen oder auch tiefe Stel­len der Strukturierung bzw. Interdentalbereiche gewissenhaft auspolieren. Bei der abschließenden Reinigung sollte, um eine Beschädigung der Kunst­stoffmatrix sicher auszuschließen, auf den Einsatz eines Dampfstrahlers verzichtet und lediglich mit Bürsten, Ultraschall und Reinigungskonzentrat gear­beitet werden.

 

Das Ergebnis

Im Spiegel mit individuellen Abutments zeigen sich neben der hervorragenden Passung Primär­ zu Se­kundärteilen auch die interessante Frontgestaltung (Abb. 31). In der Ansicht ohne Abutments wird die Oberflächengüte der Innenflächen ersichtlich, zudem die schönen, wertigen Implantatschürzen (Argenco Bio Light, Argen Dental) mit perfektem Übergang zum rosa Kunststoff (Abb. 32). Im Unterkiefer von basal wird die spaltlose Passung Primärteleskop zu Sekundärteleskop erkennbar, gleichzeitig die zungen­freundliche Ausformung lingual (Abb. 33). Ohne Abutments werden die perfekten Innenflächen offen­bart, beachtenswert die eingebrachten TK­Snap­ Kästen (Si­Tec) bukkal bei Abutment Regio 36/46 und mesial Sekundärteleskop 44/45 (Abb. 34).

 
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Abb. 32: Perfekte Innenflächen. Abb. 33: Bestmögliche Teleskoppassung.

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Abb. 34: TK-Kästen bei 36, 44, 45 und 46. Abb. 35: Abutments und Primärteleskope im Spiegel.

In der Spiegelansicht die Abutments und Primärteile, hierbei gut zu erkennen die subgingivale Ausformung und der Übergang zur Fräsfläche (Abb. 35). Auf dem Modell von lingual sind gut die vier Retentionsmulden für einen optionalen TK­Snap Einsatz (Si­Tec) und die abgefasten, hochglanzpolierten Okklusalbereiche zu sehen (Abb. 36). Von frontal werden die, aufgrund der starken Labialneigung der Implantate, notwendigen Reduzierungen der Fräsflächen labial sowie die Kennzeichnung der Abutments ersichtlich (Abb. 37). Im Unterkiefer von lingual zeigt sich der schmale Kie­ferkammbereich in der Front gegenüber dem Bereich der Teleskope 43 bis 45 (Abb. 38). Von labial zeigt sich gut die Stufenausformungen der Abutments und die okklusalen Hochglanzflächen der Primärtele­skope, die labialen Fräsflächen sind stark reduziert, um ausreichende Schichtstärken zu realisieren (Abb. 39).

 
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Abb. 36: Die Retentionsmulden sind eingeschliffen. Abb. 37: Labial gegen Verwechslung gekennzeichnet.

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Abb. 38: Nur Nichtfräsflächen sind auf Hochglanz. Abb. 39: Teleskopkronen sind bukkal stark reduziert.

Obgleich der völlig unterschiedlichen Voraussetzun­gen Konfektionszahn zu Teleskop (ungleiche Län­gen­ und Ausdehnungsverhältnisse) ein stimmiges Bild (Abb. 40) erreicht wird; der lange, freiliegende Zahnhalsbereich 43 wird – wie in Abbildung 46 zu sehen ist – in situ nicht ersichtlich sein. In der Oralansicht wird die zungengerechte Ausformung deut­lich, der Frontbereich ist aufgepolstert und geht auf gleichem Niveau ideal in den Bereich 43 bis 45 über (Abb. 41). Die Verblendungen fügen sich harmonisch zu den leicht farblich akzentuierten Prothesenzähnen ein.

 
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Abb. 40: Kronenrand 43 nur auf dem Modell freiliegend (siehe Abb. 46). Abb. 41: Idealisierte Sattelausformung und lebendige Farbgestaltung.

Im Oberkiefer von okklusal werden die grazile Ausformung und die fließend übergehende Gaumen­struktur erkennbar (Abb. 42), auch die Seitenzähne sind minimal farblich akzentuiert. Der perfekte, sau­bere Übergang Gold zu Kunststoff wird im Detail  mehr als deutlich und zeigt die Vorteile dieser Ausfüh­rung; beachtenswert auch der mustergültige Über­gang Gold zum TK­Snap­Kasten (Abb. 43). In der Detailansicht der Front wird die natürliche, lebendige Inzisalkante offensichtlich (Abb. 44).

  
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Abb. 42: Zungenfreundlicher Übergang zum Gaumen. Abb. 43: Im Detail der Übergang Kunststoff zu Gold, beachtenswert der TK-Kasten.

Im Schlussbiss zeigt sich eine gleichmäßige, natürli­che Ausführung (Abb. 45). Die verschobene Mitte im Unterkiefer wird in situ sicher nicht groß wahrgenom­men, dagegen wirken die rosa Kunststoffanteile in Form und Farbe sehr lebensecht. Obgleich der sicher nicht einfachen Aufgabenstellung mit den drei Tele­skopkronen wurde ein harmonisches Farbbild er­reicht, die Verschachtelungen wirken nicht übertrie­ben und die Inzisalkanten altersgerecht.

 
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Abb. 44: Im Detail die natürlichen Inzisalkanten. Abb. 45: Die idealisierte Verzahnung im Schlussbiss.

Die Abutments und Primärteleskope im Unterkiefer sind in situ, beachtenswert neben dem stark atrophierten Frontbereich 42 bis 35 ist der Randbereich beim Teleskop 43: Gegenüber der damaligen Abformung bzw. dem Modell liegt der Rand nicht mehr frei (Abb. 46). In situ auch die Oberkieferabutments, die Schrauben­kanäle sind noch nicht verschlossen (Abb. 47). Ein zufriedenes Lächeln des Patienten (Abb. 48), Form und Farbe entsprechen voll seinen Wünschen.

 

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Abb. 46: Perfekter Sitz der Primärteleskope und Abutments. Abb. 47: Die Schraubenkanäle sind noch nicht verschlossen.

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Abb. 48: Ein zufriedenes Lächeln.

Nachwort

Obgleich derzeit eine Vielfalt von Materi­alien wie auch Herstellungsverfahren be­stehen, fertigen wir Teleskopkronen nach wie vor mit einer hochgoldhaltigen Legie­rung in altbewährter Gusstechnik. Die unschlagbare Passung und die über viele Jahre gleichmäßige, perfekte Friktion ist ein Garant für zufriedene Patienten und Behandler. Ein materialbezogener Mehr­preis ist bei zufriedenen Kunden aus unserer Erfahrung nach kurzer Zeit ver­gessen, dem gegenüber führen wieder­kehrende Probleme mit der Friktion (anfänglich zu stark, später zu leicht) letztendlich zu einem nachhaltig gestör­ten Verhältnis zwischen Labor, Behandler und Patient.

Seit vielen Jahren gehen wir hier einen etwas anderen Weg der Kostenreduzierung. Durch gezielte Leicht­bauweise und Vollverblendungen kann der Materialeinsatz, d. h. die Legierungs­kosten, bei gleicher Stabilität stark ge­mindert werden. Im individuellen Abutmentbereich kann man zudem anstatt einer Verblendkrone, wie im vorliegenden Fall dokumentiert, ein dünnes Legie­rungskäppchen fertigen. Hierdurch be­steht sodann ein großes Einsparpoten­zial. Obgleich durch die Goldschürzen der Materialaufwand minimal höher ist, sind jedoch die Vorteile hier unverkenn­bar: ein sauberer, exakt definierter Über­gang Kunststoff zu Gold. Gerade im Be­reich um die Implantate bzw. Abutments sind die hochglanzpolierten Flächen be­züglich der Hygienefähigkeit unschlag­bar, die Plaqueaffinität gegenüber einer reinen Kunststoffausführung – gar mit Nachbearbeitungen mit dem Rosen­bohrer – maximal reduziert.

In der Tele­skoptechnik, wie oft propagiert, aus Kos­tengründen unterschiedliche Materialien zu verwenden, ist aus unserer Sicht nicht sinnvoll. Durch die unterschiedlichen Härten kann es bei Implantatarbeiten zu einem erhöhten Abrieb und/oder Verfor­mung mit langfristigem Friktionsverlust führen. Auch der Einsatz der Galvano­technik bzw. das Galvanogold hat uns nie überzeugt, aus unserer Sicht ist Galvano­gold mit seinen 99,9 Prozent zu weich für einen langfristigen Einsatz im Teleskop­bereich. Immer wieder erleben wir, dass derartige Arbeiten nach einigen Jahren plötzlich die Friktion verlieren. Gleichzei­tig begleiten uns im Laboralltag über 30 Jahre alte Teleskopprothesen, die nach wie vor problemlos funktionieren.

Materialien

Bei Teleskop­ und/oder Implantatarbeiten halten wir nach wie vor eine spezifische Goldlegierung für unverzichtbar und best­möglich. Mit der hochgoldhaltigen Legie­rung Argenco Bio Light (Argen Dental GmbH) haben wir eine optimale Legierung gefunden: hochgoldhaltig, palladiumfrei und speziell für den Einsatz bei hohem Anforderungsprofil. Gerade im Teleskop­, Steg­ oder Implantatbereich, gar gaumen­frei, steht der sichere Langzeiterfolg im Vordergrund. Die sattgelbe Goldfarbe wirkt wertig, das E­Modul ist beeindru­ckend und das Handling beim Fräsen und Polieren überzeugend. Die mechanischen Werte sind ein Garant für filigrane Leicht­baukonstruktionen und eine gute Pas­sung. Beim Modellguss bzw. im NEM­ Bereich steht mit den fünf Argeloy NEM­ Legierungen für jedes Einsatzgebiet das passende und optimale Material, sogarz.T. eisenfrei, zur Verfügung.

Beim ASTRA TECH Implant System (Dentsply Sirona Implants) beeindruckt uns das straffe und übersichtliche Sortiment. Besonders angenehm sind die auf lediglich zwei Plattformgrößen (3.5/4.0 und 4.5/5.0) aufgebauten Konstruktions­elemente, dies auch im Hinblick auf eine entsprechende Lagervorhaltung. Die koni­schen Verbindungen sind sehr präzise hergestellt. Dies zeigt sich im Laufe des Herstellungsprozesses mikroskopisch an den durchgängig zirkulären Passungs­impressionen. Zur Schonung der eigen­tlichen Befestigungsschrauben sollte während der Herstellung immer ein zwei­ter Satz Schrauben bzw. sogenannte Laborschrauben verwendet werden.

Mit Premise Indirect (Kerr/Vertrieb über Henry Schein) haben wir nur gute Erfahrungen gemacht. Das überschaubare Sor­timent überzeugt in der Anwendung, die Farbreproduktion ist einfach und sicher. Beim Langzeitverhalten besticht das High­End­Material in Nanotechnologie mit einer enormen Polymerisationsrate von über 98 Prozent, die letztendlich ausschlaggebend für den Langzeiterfolg ist. Gegen­über reinen lichthärtenden Produkten wird die dichte, plaque­ und verfärbungsresis­tente Oberfläche durch die Dualhärtung ,d. h. die abschließende Vergütungmittels Druck, Hitze und Schutzgas, erreicht. Die zahnschmelzähnliche Härte bringt ein na­türliches, schonendes Abrasionsverhalten. Seit vielen Jahren sind wir im Teleskop­ und Stegbereich erklärte Anhänger der TK­Snap oder TK­Fric­Elemente (Si­Tec).

Wir arbeiten die Teile jedoch nur rein pro­phylaktisch als sogenannte Schläfer ein. Dies keinesfalls aus Mangel an unserem Können, vielmehr um z. B. bei einem eventuellen Ausfall von Teleskopen langfristig eine gesicherte Friktion zu gewährleisten. Der Aufbau ist einfach, der Kosten­/ Nutzenfaktor bezogen auf die Gesamtkosten einer Versorgung mehr als über­zeugend. Es stehen für sämtliche Bereiche wie Edelmetall, NE oder Titan geeignete Aufnahmekästen für die Vielzahl der Retentionseinsätze zur Verfügung. Uns liegen hierbei die TK­Snap­Elemente besonders am Herzen. Soweit hier jedoch am Primär­teil aufgrund der Materialstärke keine Retentionsmulde eingeschliffen werden kann, bieten die kompatiblen TK­Fric­ Einsätze genügend Möglichkeiten.

Bei der Modellherstellung sind besonders zwei Komet ­Produkte sehr hilfreich. Zum einen die SGFA­Fräser, mit denen sich selbst noch feuchte Gipsmodelle durch die spezielle Ausformung ohne Verschmieren sehr schnell bearbeiten lassen. Zum ande­ren die 987 p Diamanttrennscheibe mit einem Durchmesser von 480 mm. Hiermit lassen sich Zahnkränze ohne Absetzen in einem Arbeitsgang trennen. Die Fräser der Komet H364RXE Serie eignen sich besonders zum schnellen, effizienten Vorfrä­sen.

Für die eigentlichen Fräsarbeiten ist die H364RGE Serie seit vielen Jahren das Produkt unserer Wahl. Je nach Drehzahl kann eine hohe Schleifleistung oder eine relativ glatte Oberfläche erzielt werden. Beim Ausarbeiten von Kompositverblen­dungen verwenden wir kreuzverzahnte Fräser der UK­Serie; Abtrag und Schliffbild sind vorbildlich, besonders auch bei den Übergängen Metall zu Verblendmaterial. Beim Löffel­ und Bissschablonenmaterial verarbeiten wir seit vielen Jahren C­Plast (CANDULOR). Gerade im Teleskop­ oder Implantatbereich schätzen wir die äußerst geringe Verzugsneigung, auch über län­gere Zeit, und die einfache, sichere An­wendung.

Das AESTHETIC Blue Auto­ polymerisat besticht durch diverse Farb­töne mit und ohne Aderung. Unser per­sönlicher Favorit ist hier seit langem die Farbe 34: Die Farbwirkung mit semiopa­ker Einfärbung und leichter Aderung lässt ein natürliches Rosa erscheinen. Bei Be­darf kann jederzeit noch mit erhältlichen Intensivfarben farblich individualisiert werden. Die Passgenauigkeit und Form­stabilität, auch über Jahre, ist beachtlich. Das 1:1 Knetsilikon Platinum 85 (Zher­mack) ist vielseitig einsetzbar, wie im Be­richt sehr deutlich wird. Die Verarbeitung ist sicher und einfach, die Detailtreue per­fekt. Obgleich im Speedbereich angesie­delt, können wir keinerlei Nachteile beim Dubliersilikon Elite Double 22 feststellen, vielmehr besticht dieses mit einer sehr glatten und homogenen Oberfläche und spart gleichzeitig unnötige Wartezeiten.

Das Ausarbeiten unter Silberpuder ist für uns obligatorisch. Hier bevorzugen wir den Texturmarker (Benzer Dental, Zü­rich, über SW­Dental), der bei dünnen Schichtstärken gut deckt und gleichzeitig exakt zeichnet. Mit fließendem Wasser bzw. Ultraschall lässt er sich leicht und rückstandsfrei entfernen. Bei der Modell­herstellung hat sich der schnell trock­nende Stumpflack „Goldspacer“ oder „Silberspacer“ sehr bewährt.

Danksagung

Dem Implantologen und Behandler Dr. Burkhard Frei herzlichen Dank für die perfekten Unterlagen und die Hintergrundinformationen.

Information

Axel Mühlhäuser
Dentaltechnik GmbH
Ulrichstraße 35
73033 Göppingen
info@muehlhaeuser-dt.de




Zweitveröffentlichung aus ZWL 06/2017

  

 



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