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Famulaturbericht Brasilien, Santa Tereza - Olinda Februar/März 2018

Famulaturbericht Brasilien, Santa Tereza - Olinda Februar/März 2018

von Eva-Maria Gilch und Heidi Steinberger

Noch vor unserem letzten Semester unseres Zahnmedizinstudiums, beschlossen wir, mit zwei weiteren Kommilitoninnen, nach dem Abschluss des Studiums an einem zahnärztlichen Hilfsprojekt im Ausland mitzuwirken. Nach längerem Informieren und Lesen von Famulaturberichten des ZAD-Portals haben wir uns für das „zahnärztliche Hilfsprojekt Brasilien e.V.“ entschieden und mit dem Ansprechpartner und Leiter, Ruben Beyer, Kontakt per Mail (rubannebeyer@web.de) aufgenommen.

Die Zusage und auch viel nützliches Infomaterial erhielten wir darauf ziemlich schnell. Das Projekt umfasst 7 Stationen, die sich alle im Nordosten Brasiliens nahe der Millionenstadt Recife befinden.Schon früh bekamen wir unsere genauen Stationen mitgeteilt. Uns wurde die Station in Santa Tereza - Olinda zugeteilt, für die anderen beiden sollte es nach Igarassu gehen.

Während unseres Examens starteten wir die Vorbereitungen indem wir uns bei einem Tropenmediziner beraten und impfen ließen, Dentalfirmen um Spenden baten, Fahrtkostenzuschüsse über den DAAD beantragten und uns mit unseren Vorgängern in Verbindung setzten und dabei nützliche Tipps und Empfehlungen erhielten. Über 2 Sprachapps (Duolingo und Babbel) eigneten wir uns portugiesische Grundkenntnisse an, was sich als ein unverzichtbarer Vorbereitungsschritt herausgestellt hat, da die Einwohner im Nordosten Brasiliens so gut wie kein Englisch sprechen.

Anfang Februar war es dann so weit, ab München ging es über Madrid nach Recife. Zum Glück hatte jeder von uns zwei Gepäckstücke à 32 kg zur Verfügung, in denen wir die Spenden unterbringen konnten. In Recife wurden wir am Flughafen sehr herzlich in Empfang genommen und in unsere Stationen nach Olinda bzw. Igarassu gebracht. In Santa Tereza erwartete uns ein Kloster mit 5 Nonnen und 3 Novizinnen, die uns sehr herzliche empfingen.

 
Kinderbesuch in der Praxis

Diese zeigten uns unseren kleinen, sehr gut eingerichteten Behandlungsraum (Gabinete Odontólogico) und unsere, am Rande des Klostergeländes gelegene Wohnung, die mit gutem WLAN und vielem weiteren Luxus ausgestattet war. Da wir Freitag abends ankamen, hatten wir, bis zur Ankunft der Kinder, zwei Tage zur Behandlungsvorbereitung Zeit. Mithilfe eines Ordners im Behandlungszimmer, der unzählige Berichten von Vorgängern beinhaltet, in denen die Funktion des Sterilisators, Kompressors, der Einheit und des Aktensystems erklärt werden, fanden wir uns schnell zurecht.

Am Montag erwarteten uns ca. 70 Kinder zwischen 6 und 18 Jahre, die die katholische Schule im Kloster besuchen und dort 2 warme Malzeiten bekommen. Zwei Sozialarbeiterinnen übernahmen die Organisation der Kinder, wobei die älteren immer vormittags von 8.00 Uhr bis 11.00 Uhr und die jüngeren Schülerinnen von 13.00 bis 17.00 Uhr zur Behandlung kamen. Die ersten zwei Tage gestalteten wir als Prophylaxetage.

In 2-er Gruppen übten wir Zähneputzen, wobei aufgrund der 15kg gespendeten Zahnputzmaterialien, jedes Kind Zahnbürste und Zahnpasta bekam. Im Anschluss fluoridierten und befundeten wir alle Schülerinnen, um einen Überblick zu bekommen, welche Behandlungen anstehen, wobei wir feststellten, dass vor allem die älteren Schüler eine sehr gute Mundhygiene aufwiesen.

Unsere Arbeit bestand vor allem aus Füllungen und Fissurenversiegelungen. Extraktionen (v.a. Milchzahnextraktionen) und andere chirurgische Maßnahmen führten wir eher selten durch. Entgegen der befürchteten Sprachschwierigkeiten funktionierte die Verständigung während der Behandlung sehr gut.

 
Behandlung der Kinder des Klosters

Die Kinder sind sehr anpassungsfähig, meist super tapfer und dankbar. Da vor allem aufgrund des Karnevals an vielen Tagen schulfrei war und somit die Zeit sehr begrenzt war, mussten wir Prioritäten setzen und konnten leider nicht alle Kinder komplett sanieren. Somit konzentrierten wir uns auf die Schülerinnen, die aufgrund ihres Alters bald die Schule verlassen und auf Zähne mit größerer Karies, die v.a. bei den neuen Kindern aus den Favelas zu finden waren.

Das Leben im Kloster war sehr angenehm. Die zwei Köchinnen, die auch für die Kinder, die Nonnen und die Bediensteten kochten, verpflegten uns mit Frühstück um 7.00 Uhr, Mittagessen um 12.00 Uhr und Abendessen um 18.00 Uhr. Auf dem Speiseplan standen fast ausschließlich regionale Gerichte. Dies war zwar teils eine große Umstellung (z.B. zum Frühstück Couscous mit Wursteintopf), allerdings lernten wir so ein Stück der brasilianischen Kultur kennen.

Für unsere Sicherheit wurde nachts durch einen Nachtwächter und vier Wachhunde gesorgt und weitere Bedienstete des Klosters (Hausmann und Putzfrauen) machten uns das Leben im Kloster sehr angenehm. Auch von den Lehrern der Schule wurden wir sehr herzlich aufgenommen, indem sie mit den Kindern für uns eine Begrüßungs- und Verabschiedungsshow einstudierten.

 
Behausungen vor Ort

Am Ende unseres Aufenthaltes baten wir eine der Nonnen uns die Favelas zu zeigen, in denen die Familien der Kinder wohnen. Es ist schwer vorstellbar wie die Kinder leben, da sie im Kloster immer eine Schuluniform tragen und mittags täglich duschen. Auch die Hintergrundgeschichten zu einigen Kindern, die uns die Nonnen gelegentlich erzählt haben, waren schockierend und zum Teil wahnsinnig traurig.

Am Wochenende unternahmen wir mit unseren beiden Kommilitonen aus Igarassu Ausflüge in die Umgebung, wobei wir alle unsere Fahrten über die App „uber“, die eine super Hilfe war, organisiert haben. Empfehlenswerte Ausflüge sind der Praia do Pipa, ein kleines Städtchen mit umliegende schöne Strände, sowie Porto de Galinhas und Joao Pessoa.

Im Anschluss an unsere Zeit in Olinda haben wir noch eine gute Woche zum Reisen angehängt. Nach Informieren in unseren Reiseführer (Stefan Loose und Lonely Planet) haben wir uns für eine Flugreise nach Salvador entschieden. Von dort sind wir mit dem Nachtbus in die Chapada Diamantina, ein großer Nationalpark im Landesinneren, und anschließend mit einem Boot auf eine Insel, die Salvador vorgelagert ist (Morro de Sau Paulo auf der Insel Tinharé) gefahren.

 
Strand in Praio do Pipa

Auch die Insel „Fernando de Noronha“, die vor Recife gelegen ist, soll ein tolles Reiseziel für mindestens 4-5 Tage Aufenthalt sein. Unsere Zeit in Brasilien war unvergesslich! Wir konnten sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht viel Neues lernen und können somit allen Interessenten nur zu diesem Projekt raten. Auch vom Land selbst, der Kultur und der Mentalität der Einwohner waren wir sehr begeistert und können uns definitiv vorstellen, Brasilien in Zukunft noch einmal zu bereisen.

Wir danken den Firmen Karl Hammacher GmbH, Hager/Werken, Dentsply Sirona Restorative, Kulzer, Komet Dental, NTI-Kahla, VOCO, Septodont, Hu- Friedy, Bauer Dental und Dürr Dental für die großzügige Unterstützung

Wir helfen gerne:

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