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06. April 2018, Antje Meier

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 1/7

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 1/7

Klassische Kronenpräparationen sind sehr invasiv, Präparationen für die Versorgung mit Verblendkronen noch invasiver. Bei beiden Restaurationsformen droht das Risiko eines Vitalitätsverlustes der Pulpa. Minimalinvasiver lässt sich dagegen mit Okklusionsonlays arbeiten. Wie unterscheiden sie sich von herkömmlichen Teilkronen? Halten diese auch bei extrem dünnen Keramikschichten im Okklusionsbereich? Wann sind sie indiziert, wann kontraindiziert? Wie hoch ist der Aufwand? Und wann sind herkömmliche Kronen oder Kompositrestauration die bessere Wahl?

Was läuft bei Okklusionsonlays anders als bei Teilkronen und Kronen?

Ahlers: Okklusionsonlays unterscheiden sich von herkömmlichen Teilkronen und Kronen durch ihre geringere
Extension nach zervikal. Dabei sind Okklusionsonlays auf die Bedeckung der Kaufläche beschränkt und enden maximal im Bereich der weitesten Zirkumferenz (Äquator). Zudem werden klassische Teilkronen für Metallrestaurationen retentiv präpariert, wie beispielsweise von Shillingburg [1] vorgegeben.

Keramische adhäsiv zu befestigende Teilkronen werden davon abweichend mit gerundeten Übergängen und größeren Präparationswinkeln präpariert; die entsprechenden Präparationsrichtlinien dafür hatte ich einst mit einer multizentrischen Autorengruppe erarbeitet und veröffentlicht [2]. Keramische unmetallene Teilkronen ersetzen zudem mehr Zahnvolumen als Okklusionsonlays, wie Prof. Edelhoff in seinen Studien in den USA gemessen hatte [3]. Bei Kronen verläuft die Präparationsgrenze zirkulär supra-/para- oder subgingival. Dabei sind der Substanzverlust und dadurch auch die Gefährdung der Pulpa durch die Präparation am größten.


Abb. 1: Biokorrosiv und abrasiv veränderte Zahnhartsubstanz mit partiell ausgeprägter Dentinexposition im linken Unterkiefer- Seitenzahnbereich bei einem 24-jährigen Patienten. Die Vertikaldimension der Okklusion (VDO) hat sich durch die Veränderung abgesenkt und traumatische Kontakte vor allem im Oberkiefer-Frontzahnbereich verursacht.

Abb. 2: Restauration der Zähne mit direkten Kompositrestaurationen mithilfe einer vom Wax-up abgeleiteten Tiefziehfolie (Duran transparent, Stärke 0,5 mm Scheu-Dental, Iserlohn) und vorgewärmten Nanohybridkomposit (Tetric EvoCeram, IvoclarVivadent, Schaan, FL)



Zahnsubstanz mit Okklusionsonlays retten? Was genau heißt das in der Praxis?

Edelhoff: Ich habe in den Abb. 3 bis 8 eine Falldarstellung einer 40-jährigen Patientin mit einem umfangreichen Verlust der Vertikaldimension der Okklusion (VDO) dargestellt, die eine möglichst langzeitstabile Lösung wünschte. Für eine Ausgangssituation wie in Abb. 3 würde die Entscheidung für klassische Kronen oder Teilkronen zu viel Zahnhartsubstanzabtrag fordern. In unseren Untersuchungen konnten wir bis zu ca. 40% Zahnhartsubstanz erhalten, wenn die Therapieentscheidung getroffen wurde, anstelle einer klassischen Krone ein Okklusionsonlay zu verwenden. Entscheidend ist dabei eine defektorientierte Präparation, deren Präparationsrand möglichst nicht über die größte Zirkumferenz des Zahns hinausgeht und in den Unterschnitt eintritt, denn dies würde immens viel zusätzliche Zahnhartsubstanz kosten.


Abb 3: Biokorrosiv und abrasiv veränderte Zahnhartsubstanz mit generalisierter
Dentinexposition im linken Unterkiefer-Seitenzahnbereich bei einer 40-Jährigen
Patientin. Die Vertikaldimension der Okklusion hat sich durch verloren gegangene
Zahnhartsubstanz stark abgesenkt. Dadurch kam es zu massiven traumatischen
Kontakten insbesondere im OK-Frontzahnbereich.
   


Bei welchen Indikationen plädieren Sie für diese minimalinvasive Alternative?

Ahlers: Generell sind Okklusionsonlays zur Wiederherstellung durch Erosionen und/oder Attritionen geschädigter
Kauflächen indiziert. Die eingeschränkte Extension der Präparation reduziert den Zahnhartsubstanzverlust bei der Präparation. Dies schützt die Pulpa und ist insofern „minimalinvasiv“.

Okklusionsonlays sind sehr dünn, das schürt bei so manchem Anwender die Sorge, sie seien instabil. Was ist da dran?

Edelhoff: Gewisse Richtlinien bei der Präparation für ein Okklusionsonlay – z. B. aus Lithiumdisilikatkeramik (LS2) sind selbstverständlich einzuhalten. Nach wie vor gilt die vom Hersteller der Keramik, IvoclarVivadent, im Kaulast tragenden Bereich geforderte okklusale Mindeststärke von 1 mm bei monolithischer Gestaltung als empfehlenswert.

Ahlers: Und 1 mm im Kaulast tragenden Bereich ist keineswegs „hauchdünn“. In der Praxis ist dies übrigens weniger kritisch, weil Okklusionsonlays in der Regel Kauflächen restaurieren, von denen in erheblichem Maße Zahnhartsubstanz verloren gegangen ist. Die Behandlung mit Okklusionsonlays zielt dabei auf die Wiederherstellung der Zahnkonturen und der vertikalen Dimension ab. Infolge des vorangegangenen Substanzverlustes bedarf es für die Präparation lediglich der geeigneten Konturierung des Zahns, um haltbare Restaurationen zu ermöglichen. In diesen Fällen muss der Zahnarzt demnach nicht 1 mm Zahnhartsubstanz entfernen, um 1 mm dicke Okklusionsonlays eingliedern zu können. Im Vergleich dazu liegt die Indikation von Teilkronen und Kronen primär in der Behandlung von Folgeschäden der Karies mit tiefen approximalen und/oder weit nach zervikal reichenden orovestibulären Defekten.

 

PD Dr. M. Oliver Ahlers
studierte Zahnmedizin in Hamburg und hat sich bereits 1992 auf die Funktionsdiagnostik spezialisiert, 2005 Gründung u. zahnärztliche Leitung des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf.
oliver.ahlers@cmd-centrum.de
 
Prof. Dr. Daniel Edelhoff
studierte Zahnheilkunde in Aachen und ist seit 2014 Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum München, seit 2016 Präsident der AG Dentale Technologie (ADT).
daniel.edelhoff@med.uni-muenchen.de

 

Übersicht "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen"

Hier finden Sie eine Übersicht der siebenteiligen Serie "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen":


Zweitveröffentlichung aus Dental Magazin 7-17
Literaturliste auf www.dentalmagazin.de

 

Antje Meier
konservierende Zahnheilkunde | Komet Dental



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