BLOG | ABONNIEREN

19. Februar 2020, Dr. Bjarne Rieckesmann

Einfache Kanalaufbereitung für Allrounder und Spezialisten

Einfache Kanalaufbereitung für Allrounder und Spezialisten

Bei der Wahl der maschinellen Feilen während einer Wurzelkanalaufbereitung gibt es für Endodontologen meist zwei Wege: rotierend oder reziprok. Viele Behandler setzen heute auf die reziprokierende Methode, denn sie erscheint vielen leichter umsetzbar und effizienter. Entscheidend für die erfolgreiche mechanische Aufbereitung sind stets die vorbereitenden Maßnahmen: die korrekte Erweiterung des koronalen Drittels und das Anlegen eines Gleitpfades. Das Risiko von Microcracks wird heute durch die Geometrie und Flexibilität moderner Feilensysteme klein gehalten. Ein graziles Design und ein großer Spanraum tragen maßgeblich dazu bei, Debris effektiv nach koronal zu transportieren.

Zugangskavität und Arbeitslängenbestimmung

Für einen optimalen Zugang zum Endodont muss das gesamte Pulpakammerdach inklusive der Pulpenhörner und aller Dentinüberhänge abgetragen werden. Dies geschieht unter anderem mit einem Diamantschleifer mit unbelegter Spitze (851). Auch für das weitere Prozedere braucht es Spezialinstrumente, die den “straight line access“ schaffen, sodass die Feilen schließlich ohne koronale Interferenzen nach apikal geführt werden können.

Für das Entfernen der Dentinüberhänge empfiehlt sich ein graziler Rosenbohrer mit langem, schlanken Hals (EndoTracer). Er erlaubt eine gute Sicht am Instrument vorbei in die Zugangskavität und damit eine klare Darstellung der Pulpakammerbodenanatomie, eine substanzschonende Erweiterung der Wurzelkanaleingänge und Freilegung obliterierter Kanäle. Eine drucklose Vorgehensweise ist hierbei wichtig. Mithilfe der Endometrie wird die Arbeitslänge bestimmt. Dafür können z. B. thermisch gehärtete Handfeilen (ISO 06–10, C-Pilot Feilen) und das Raypex® 6 (VDW) verwendet werden. Der Gleitpfad wird anschließend mit Handinstrumenten bis ISO 015 erstellt.

Zustand vor Endo-Revision mit apikaler Aufhellung Zahn 14. Messaufnahme mit Silberstiften zur Verifizierung der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.
Patientenfall 1 – Abb. 1: Zustand vor Endo-Revision mit apikaler Aufhellung Zahn 14.   Abb. 2: Messaufnahme mit Silberstiften zur Verifizierung der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.
WF-Kontrolle nach Abdeckung der Guttapercha mit Flowable.

Abb. 3: WF-Kontrolle nach Abdeckung der Guttapercha mit Flowable.

Aufbereitung mit reziprokem Feilensystem

Auf der IDS 2019 stellte Komet Dental das reziprokierende Feilensystem Procodile vor, das in allen gängigen linkschneidenden, reziproken Antrieben einsetzbar ist. Verglichen mit reziprokierenden Feilen, verfügt Procodile über einen nicht so starken Zug nach apikal, was positiv zur Sicherheit beiträgt und der Gefahr eines Screw-in-Effekts entgegenwirkt: Die Feile „frisst“ sich nicht in die Tiefe, und es wird kein Debris unkontrolliert nach apikal gepresst. Vielmehr trägt der variabel getaperte Feilenkern, der den Spanraum vergrößert, dazu bei, dass das infizierte Gewebe sukzessive aus dem Kanal befördert wird.

Darüber hinaus können damit gekrümmte Wurzelkanäle sicher und formkongruent aufbereitet werden. Sie folgt aufgrund ihrer Flexibilität dem originären Kanalverlauf. Elliptische oder hantelförmige Kanäle können zusätzlich mittels circumferrenter Präparation mit Handinstrumenten (Hedströmfeilen ISO 030-040) aufbereitet werden. Im Gegensatz zu anderen reziprokierenden Systemen bietet Procodile ein breiteres Feilenspektrum mit insgesamt sieben Größen.

Obturation

Für seine Behandlungen verwendet der Autor die Zentralstifttechnik mit systemgleichen Guttaperchaspitzen und epoxidharzbasiertem Sealer (AH Plus), im Falle hantelförmiger oder elliptischer Kanäle ergänzt durch kalte laterale Kondensation. Zunächst erfolgt die mechanische Aufbereitung, parallel ergänzt durch chemische Aufbereitung gemäß Spülprotokoll mit NaOCl 3 %, Zitronensäure 20 % und CHX 2 %. Danach schließt sich die schallbasierte Aktivierung (EDDY, VDW), Trocknung, Obturation und der speicheldichte postendodontische Verschluss an.

Zustand nach Kronenversorgung und vor Trepanation nach Pulpanekrose an Zahn 27. Messaufnahme mit Silberstiften zur Verifizierung der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.
Patientenfall 2 – Abb. 4: Zustand nach Kronenversorgung und vor Trepanation nach Pulpanekrose an Zahn 27.   Abb. 5: Messaufnahme mit Silberstiften zur Verifizierung der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.
WF-Kontrolle nach Abdeckung der Guttapercha mit Flowable und vor Zementierung der Krone.

Abb. 6: WF-Kontrolle nach Abdeckung der Guttapercha mit Flowable und vor Zementierung der Krone.

Die Zielgruppe

Gehört das Feilensystem Procodile nun tendenziell eher in der Hand des Allrounders, der auch mal Endo macht, oder besser ins Repertoire eines Spezialisten? Nach Einschätzung des Autors erhält der Allrounder mit diesem Feilensystem ein preislich attraktives und gleichzeitig sicheres Feilensystem an die Hand, das sich gut kontrollieren lässt. Es bietet ein breites Spektrum an sinnvollen Zielgrößen. Endo-Spezialisten variieren gerne mit Feilen und arbeiten durchaus systemübergreifend. Das System ist kompatibel mit nahezu allen reziprokierenden Antrieben und daher eine klare Empfehlung.


Dr. Bjarne Rieckesmann
Rieckesmann Zahnärzte
Gütersloher Straße 328
33649 Bielefeld
Tel.: 0521 488193
www.zahnarzt-rieckesmann.de

Zweitveröffentlichung: Endodontie Journal 04/2019
 
EndoTracer für die endodontische Zugangskavität EndoTracer

Das Suchen hat ein Ende: Der EndoTracer findet alle
Kanäle mit Sicherheit.


Jetzt entdecken

 


Am Ende des Tages zählt Wissen.

Der Komet Newsletter.

Jetzt anmelden
 
Diese Website nutzt Cookies. Wir möchten Ihnen den bestmöglichen Service bieten, dazu speichern wir Informationen über Ihren Besuch in sogenannten Cookies. Durch die Nutzung dieser Internetseite erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte unserer Datenschutzerklärung. Mehr Infos