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14. Februar 2020, Niels Niemann

Zuverlässiges reziprokes System für Allrounder und Spezialisten

Zuverlässiges reziprokes System für Allrounder und Spezialisten

Zuverlässiges reziprokes System für Allrounder und Spezialisten

Seit der Wiedergeburt von reziproken Systemen, welche bereits 1985 durch James Roane mit dem Begriff „Balanced-Force-Technik“ beschrieben wurden, erfreuen sich diese Systeme immer größerer Beliebtheit. Viele Hersteller versprechen die Reduktion des Instrumentariums bei gleichbleibender universeller Einsetzbarkeit und effizienter Aufbereitung. Gerade im Alltag ist es für den Allrounder wichtig, von einem zuverlässigen System begleitet zu werden.

Reziprok vs. rotierend

Immer wieder hören wir von Microcracks im Dentin, welche speziell bei reziproken Systemen vermehrt auftauchen sollen. Einige Studien konnten dies bestätigen (Bürklein 2013), andere haben dies jedoch widerlegt (Liu 2013). Zusammenfassend kann von einer heterogenen Studienlage gesprochen werden, wodurch jedes Feilensystem hinsichtlich dieses Problems einzeln betrachtet werden sollte. Zudem kann der individuelle Fall entscheidend sein. Um das Risiko von Microcracks zu minimieren, sollte das Feilensystem aufgrund seines grazilen Designs in der Lage sein, möglichst viel Raum für Debris zu bieten und diesen nach koronal zu transportieren. Durch den variabel getaperten Feilenkern ist der Spanraum der neuen Procodile Feile gegenüber anderen Systemen erhöht. Infiziertes Gewebe wird noch effizienter aus dem Kanal abgetragen und das Risiko von Microcracks minimiert.

Das Screw-in-Risiko

Ein immer wieder auftretendes Problem bei reziproken Systemen ist der Screw-in-Effekt. Hierbei kommt es zu einer unkontrollierten Aufbereitung des Kanalsystems mit der Gefahr der Überinstrumentierung. Einerseits tritt dieses Problem, wie von Ha und Park 2012 beschrieben, aufgrund eines mangelnden Gleitpfades auf, welcher laut Studie mindestens einer ISO Größe 020 entsprechen sollte. Anderseits sind das Design und die Bewegung des Wurzelkanalinstrumentes entscheidend. Wie 2016 durch Kim beschrieben, ist der Querschnitt, welcher möglichst gering sein sollte, um eine hohe Flexibilität zu gewährleisten, ebenfalls bedeutend. Genau hier setzt das neue reziproke Feilensystem Procodile an.

Das intelligente Design der Feile bietet mit seinem variabel getaperten Kern und dem Doppel-s-Querschnitt eine deutlich verbesserte Flexibilität. Damit sind selbst gekrümmte Wurzelkanäle sicher und formkongruent aufzubereiten. Mittels eines speziellen Antriebes, wie der EndoPilot von Komet Dental, welcher zur sogenannten ReFlex-Bewegung fähig ist, die wiederum die Vorteile rotierender und reziproker Bewegungen vereint, ist die Aufbereitung von komplexen Kanalstrukturen deutlich sicherer und weniger frakturanfällig. Der Screw-in-Effekt ist auf ein Minimum reduziert bzw. fällt ganz weg, wodurch das System sehr gut kontrollierbar und auch für jeden Allrounder geeignet ist.

Darstellung der Kanalorificien nach Einsatz des reziproken Openers Aufbereitung mit der grünen Procodile Feile
Abb. 1: Darstellung der Kanalorificien nach Einsatz des reziproken Openers (OPR08L19).   Abb. 2: Aufbereitung mit der grünen Procodile Feile.
Vorheriges Kürzen der Masterpoints durch präzise Längenmarkeirung der Guttaperchaspitzen nicht mehr notwendig Die Masterpointaufnahme
Abb. 3: Längenmarkierungen der Guttaperchaspitzen sind so präzise, dass ein vorheriges Kürzen der Masterpoints auf Arbeitslänge wie hier nicht mehr notwendig ist.   Abb. 4: Die Masterpointaufnahme

Fallstudie

Der 70-jährige Patient erschien aufgrund nicht lokalisierbarer Beschwerden im Unterkiefer links in meiner Sprechstunde. Der Zahn 37 reagierte leicht positiv auf den Perkussionstest und stark positiv auf eine Sensibilitätsprüfung. Diagnose: Akute irreversible Pulpitis mit symptomatischer apikaler Parodontitis. Nach der ersten diagnostischen Röntgenaufnahme und Aufklärung des Patienten wurde die endodontische Behandlung begonnen. Nach der Leitungsanästhesie wurde der Kofferdam angelegt und die Zugangskavität präpariert. Hierbei wurde auf eine möglichst kleine Zugangskavität geachtet. Dennoch ist es wichtig, dass Unterschnitte vermieden werden und die Sicht in den jeweiligen Wurzelkanal ausreichend möglich ist.

Nach Darstellung des Pulpenkammerbodens wurden die Kanalorificien mit einem reziproken Opener (OPR08L19) dargestellt (Abb. 1). Anschließend konnte mit einer K-Feile in ISO 010 und anschließend ISO 015 unter Berücksichtigung der elektrometrischen Längenmessung (EndoPilot) ein Gleitpfad hergestellt werden. Die Aufbereitung erfolgte mittels Procodile Feilen in der Zielgröße 035/.05 (PR05L25) für die mesialen Kanäle und 045/.04 (PR04L25) für den distalen Kanal (Abb. 2). Die elektrometrische Längenmessung erfolgte simultan während der Aufbereitung und wurde nochmals nach deren Abschluss mittels einer K-Feile ISO 015 verifiziert. Die Kombination aus sehr langen Wurzelkanälen (mb 24,5 mm, ml 24 mm, d 23 mm) und eine leichte Dilazeration hat die Aufbereitung leicht erschwert, welche das Feilensystem im ReFlex Dynamic Modus jedoch zuverlässig, souverän und sehr gut kontrollierbar absolviert hat.

Für schwierige Kanäle ist übrigens der ReFlex Smart Modus geeigneter und besonders für Allrounder eine gute Sicherheitsvorkehrung. Die chemische Desinfektion wurde ultraschallaktiviert mittels NaOCl (5 %) und EDTA (17 %) durchgeführt, um alle organischen und anorganischen Anteile sowie den Smearlayer zu entfernen. Die Längenmarkierungen der Guttaperchaspitzen sind so präzise, dass ein vorheriges Kürzen der Masterpoints auf Arbeitslänge, wie in Abbildung 3 dargestellt, nicht mehr notwendig ist. Dennoch wurde hier zur Absicherung das Kürzen der Masterpoints auf Arbeitslänge bevorzugt und eine Röntgenaufnahme angefertigt (Abb. 4).

Die Trocknung der Kanäle wurde mit auf das Procodile System abgestimmten Papierspitzen erreicht. Die Obturation wurde mit passenden Guttaperchaspitzen aus dem Procodile System und AH-Plus warm-vertikal durchgeführt (Abb. 5 und 6). Der Verschluss der Kavität erfolgte mit Flow-Kompositen sowie einem stopfbarem Komposit.

Obturation mit passenden Guttaperchaspitzen Das röntgenologische Ergebnis
Abb. 5: Obturation mit passenden Guttaperchaspitzen (Komet Dental).   Abb. 6: Das röntgenologische Ergebnis.

Fazit

Das neue Feilensystem Procodile von Komet Dental überzeugt unmittelbar. Allroundern und Spezialisten werden eine Vielzahl an sinnvollen Zielgrößen geboten. Der ReFlex-Modus erweitert den Indikationsbereich der Feilen enorm, wodurch das System universeller und wirtschaftlicher ist als andere. Mich persönlich als Nutzer von rotierenden Instrumenten überzeugen die extreme Schnittfreudigkeit und die hohe Kontrollierbarkeit bei nahezu ausbleibendem Screw-in-Effekt. Das System minimiert Fehlerquellen und bietet eine hohe Sicherheit für jeden Allrounder und Spezialisten.

Aufgrund des Vorhandenseins von vielen guten Feilensystemen auf dem Markt entscheidet oft das subjektive Empfinden eines Behandlers über den Gebrauch. Sowohl Kritiker als auch Befürworter von reziproken Systemen sollten einen Ausflug wagen. Procodile beseitigt Vorurteile und setzt bereits bekannte Vorteile souverän und zuverlässig um.

Niels Niemann
AllDent Zahnzentrum München GmbH
Bayerstraße 21
80335 München
n.niemann@alldent.de
www.alldent-zahnzentrum.de

R6 ReziFlow Endo Procodile.

Ich bin grün, agil und hungrig.
Ich bin Procodile.


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Zweitveröffentlichung: Endodontie Journal 02/2019

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