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17. Januar 2020, Dr. Björn Schaper

Mehr Agilität für die Endo

Mehr Agilität für die Endo

Warum braucht es bei so vielen bereits existierenden schon wieder ein neues Feilensystem? Ich bezeichne mich als Allrounder, nehme Wurzelkanalbehandlungen seit 15 Jahren maschinell vor, habe mich durch Endo-Curricula fortgebildet und behandle fast täglich endodontische Fälle. Deshalb stehe ich Optimierungen stets offen gegenüber, denn es sind besonders die komplizierten, gekrümmten Wurzelkanäle, die es erfolgreich und sicher aufzubereiten gilt.

Jeder Zahn besitzt seine ureigenste Wurzelanatomie und da möchte ich nicht zwischen verschiedenen Feilen wechseln müssen. Ich wünschte mir also ein lückenloses Portfolio, das den Brückenschlag schafft, also alle Feilengrößen bedient, aber gleichzeitig nicht ausufert. Und schließlich ist da stets die grundsätzliche Frage der Bewegungsform. Lange Zeit habe ich rotierend gearbeitet, bin dann aber auf reziprokierend umgestiegen, weil ich es einfacher und schneller empfinde.

Beide Bewegungen besitzen ihre Vor-, aber eben auch gewisse Nachteile bei der Wurzelkanalaufbereitung. Die neue Bewegungsform von Procodile scheint mir das Beste aus beiden Welten nun zu vereinen und somit ist die auffällig grüne Farbe nicht das einzige, wodurch sich das System vom Feilenmarkt abhebt.

„Straight Line Access“

Für die Zugangskavität habe ich früher gerne zu Gates-Bohrern gegriffen. Diesetendieren aber dazu, sich zu verbiegen. Wer jetzt Druck ausübt, läuft Gefahr, eine via falsa zu verursachen bzw. Debris nach unten zu transportieren. Das kann mit dem reziproken Opener nicht passieren. Mit ihm passe ich die Kanaleingangs-Erweiterung der reziproken Wurzelkanalaufbereitungs- Technik an und bleibe in einer Bewegungsform, d.h. keine Umstellung am Motor, weniger Handgriffe. So wird das koronal infizierte Gewebe gründlich abgetragen.

Um auf ganze Länge zu kommen, wird vorsichtig mit einer 10er Handfeile sondiert. Mit dem PathGlider lässt sich anschließend der Gleitpfad maschinell herstellen. Aufgrund seines Tapers von .03 schafft er für die nachfolgenden Instrumente eine Erleichterung. Dadurch reduziert sich das Risiko von Kanalverlagerungen und Stufenbildungen. Nun greife ich zu den Procodile-Feilen.

Kontrollaufnahme von Zahn 37 nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung Zahn 37 prae Endo, tiefe apic Aufhellung
1a - Zahn 37 Kontrollaufnahme nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung der aufbereiteten Wurzelkanäle, konfluierende Kanäle   1b - Zahn 37 prae Endo, tiefe apic Aufhellung
Zahn 26 Kontrollaufnahme nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung Zahn 26 prae Endo, tiefe apic Aufhellung
2a - Zahn 26 Kontrollaufnahme nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung der aufbereiteten Wurzelkanäle, 4 Kanäle (mb2)   2b - Zahn 26 prae Endo, tiefe apic Aufhellung
Zahn 46 Kontrollaufnahme nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung Zahn 46 prae Endo, tiefe apic Aufhellung, pulpanahe Füllung
3a - Zahn 46 Kontrollaufnahme nach Abschluss der thermoplastischen Wurzelkanalfüllung der aufbereiteten Wurzelkanäle, am Apex abgewinkelte Kanäle   3b - Zahn 46 prae Endo, tiefe apic Aufhellung, pulpanahe Füllung

Variabel getaperter Feilenkern

Betrachtet man die Kerngrößen von Procodile, also Größe, Taper, Spanraum und Feilenkern, so lässt sich Folgendes feststellen: Der Durchmesser eines apikalen Foramen liegt maximal meist zwischen den Größen 035 und 045. Procodile bedient dieses Spektrum, ja reicht sogar bis Größe 050, was bei einem konstanten Taper von .06 normalerweise starke Einbußen in der Flexibilität zur Folge hätte. Anders bei Procodile: Hier wird ein lückenloses Feilenspektrum in sieben unterschiedlichen Größen mit einem variabel getaperten Querschnitt angeboten, d.h.:

• ein konstanter Taper .06 für die Größen 020–030
• ein konstanter Taper .05 für die Größen 035–040 und
• ein konstanter Taper .04 für die Größen 045–050.

Gerade ab der Größe von 040 ist dann auch der hydrodynamische Flüssigkeitsstrom für einen gewissenhaften Spülvorgang gesichert. Bei mir ist die Brot- und Butterfeile für die meisten Fälle die Größe 025, stark obliterierte Fälle behandle ich mit Größe 020. Oft ist es sogar möglich, im Sinne eines 1-File-Systems den gesamten Kanal durchzuarbeiten. Was bedeutet nun aber dieser variabel getaperte Feilenkern konkret?

Bei Procodile nimmt der Kerndurchmesser, im Vergleich zu herkömmlichen Feilen, zum Schaft hin ab. Dadurch wird der Spanraum vergrößert. Das ist von Vorteil, denn was nützen scharfe Feilen, wenn der Spanraum nicht groß genug ist, der Abrieb von Debris nicht ordentlich abtransportiert werden kann und es zu Verblockungen kommt? Bei Procodile wurde der Kerndurchmesser also zugunsten eines vergrößerten Spanraums verringert.

In meiner Wahrnehmung macht sich dieser Effekt beim Abtransport von Debris deutlich bemerkbar. Durch den variabel getaperten Feilenkern zeigt Procodile eine gute Flexibilität. Ich übe kaum Druck aus, lasse sie einfach arbeiten. Bisher habe ich keine einzige Feilenfraktur mit Procodile erlebt, die Feilen folgen dem originären Kanalverlauf, auch den gekrümmten.

Fazit

Procodile funktioniert in allen gängigen linksgerichteten reziproken Antrieben. Diese Kompatibilität macht den Umstieg einfach, er ist mit keinen teuren Neuanschaffungen verbunden. Mich unterstützt Procodile dabei, auch bei gekrümmten Wurzelkanälen eine sichere und fehlerfreie Wurzelkanalbehandlung umzusetzen. Ein Ein- bzw. Umstieg auf das Feilensystem ist leicht, die Lernkurve schnell. Deshalb sehe ich es v.a. in der Hand des Allrounders angesiedelt, der mit wenigen Feilen sicher und wirtschaftlich zum Ziel kommen kann.

Dr. Björn Schaper
Dr. Björn Schaper

DR. BJÖRN SCHAPER

studierte Zahnmedizin in Münster,
seit 2006 niedergelassen
in eigener Praxis in Detmold,
Schwerpunkte: Ästhetik in
der Zahn-, Mund- und
Kieferheilkunde und Endodontie
info@zahnarzt-schaper.de


Zweitveröffentlichung: Deutscher Ärzteverlag Dental Magazin 2019;37(7)

R6 ReziFlow Endo Procodile.

Ich bin grün, agil und hungrig.
Ich bin Procodile.


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