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01. August 2018, Axel Mühlhäuser

Eine abnehmbare Totalsanierung auf Implantaten - Teil 1

Eine abnehmbare Totalsanierung auf Implantaten - Teil 1

Durch die gestiegene Lebenserwartung besteht bei älteren Patienten mit keinem oder wenig Restzahnbestand vermehrt der Wunsch sowohl nach einer kosmetisch als auch einer funktionell verbesserten Versorgung. Durch die Implantattechnik lässt sich hier ein fehlendes oder geringes Restzahnangebot entsprechend erweitern. Da festsitzende Ver­sorgungen aber nicht immer möglich, sinnvoll oder gar kontraindiziert sind, verbleibt letztendlich oftmals der abnehmbare Bereich. Axel Mühlhäuser zeigt im dreiteiligen Fachbericht Schritt für Schritt die Herstellung einer umfangreichen Total­sanierung, geht auch auf alternative Möglichkeiten und Indikationen ein und gibt Tipps und Tricks zur rationellen Herstellung.

Die stetig steigende Lebenserwartung führt zu einer erhöhten Nachfrage bei Patienten im höheren Alter. Soweit kein oder nur geringer Restzahnbestand be­steht, kann heute problemlos durch die Implantologie eine notwendige Pfeileranzahl erreicht und ein kosmetisch wie auch funktionell hochwertiger Zahnersatz realisiert werden. Mit zunehmendem Alter scheidet jedoch oft eine festsitzende Versorgung aus. Hintergründe hierfür können u.a. starke Knochenatrophien sein. Um hier kosmetisch akzeptable Grundvoraussetzungen zu schaffen, wären oftmals erhebliche chirurgische Eingriffe notwendig, die letztendlich vom Patienten abgelehnt werden.

Auch sind im festsitzenden Brückenbereich zumeist mehr Implantate notwendig, deren Lage und Ausrichtung ideal vorliegen muss. Nicht zu vernachlässigen ist die Patien­ tengruppe mit eingeschränktem Putzver­ halten, ob motorisch oder psychologisch bedingt. Für den abnehmbaren Bereich spricht auf jeden Fall auch die beste­hende Erweiterungs­ bzw. Reparatur­möglichkeit: Ob Erweiterung, Abplatzung, Bruch oder Entfall eines Implantats oder Pfeilerzahns, zu jeder Zeit besteht pro­blemlos die Reparaturmöglichkeit.


Abb. 1: Die Ausgangssituation   Abb. 2: Die Naht gelegt.
 

Im abnehmbaren Bereich stehen un­zählige Verankerungsvarianten zur Ver­fügung: Kugelkopfanker, Locator, Steg, Teleskop etc. Mitentscheidend bei der Auswahl ist hierbei oft auch der Gesamt­preis der Versorgung. Kugelkopfanker und Locator sind als konfektionierte Teile in der Preisgestaltung deutlich günstiger, zudem wird selbst schon mit zwei Ele­menten eine brauchbare Haftung er­reicht. Nachteilig aus unserer Sicht jedoch die mögliche Beweglichkeit, d.h. Rotation, die letztendlich erst ab dem Einsatz von vier symmetrischen Elemen­ten weitgehend verhindert wird. Zudem lassen die eingesetzten Retentionsele­mente im Laufe der Zeit in der Friktion nach und müssen ausgetauscht werden. Mit einem individuellen Steg oder Tele­skopkronen lässt sich hingegen eine ab­solut starre Verankerung erreichen. Hier­ bei sind in den letzten Jahren verschie­denste Materialien wie Galvano, Zirkon, NE etc. zum Einsatz gekommen. Nach wie vor sind wir aber absolute Anhänger der klassischen Gussherstellung im Hochgoldbereich. Immer wieder haben wir in unserer Laufbahn Galvanosekun­därteile erlebt, die nach einigen Jahren schlagartig die Friktion verloren haben.

Gussergebnisse im NE-­Bereich scheiden bei uns wegen unbefriedigender Pas­sung aus. Die industrielle Fertigung von NE­-Teleskopsekundärteilen konnte uns bis heute nicht annähernd überzeugen. Beim individuellen Steg, industriell gefer­tigt, wird die Friktion über eingebrachte Hilfsteile, zwischenzeitlich sogar Locator­elemente, erreicht. Dies bedingt im Laufe der Zeit eine nachlassende Friktion und den Austausch der Retentionselemente. Demgegenüber kann bei einem klassi­schen Steg in Goldlegierung eine per­fekte Friktion erreicht werden, Zusatz­ friktionselemente sind nicht notwendig. Jedoch bauen wir gern TK-­Elemente als sogenannte „Schläfer“ ein, d.h. es wird lediglich der Platz für einen eventuellen Einsatz vorbereitet.

In der Teleskoptech­nik besteht die Möglichkeit der klassi­schen Gussausführung mit Komposit­verblendung oder entsprechend der Galvanotechnik, aber mit gegossenen Legierungskäppchen. Gegenüber Gal­vano, mit deutlich geringerer Härte, bie­ten diese erhebliche Vorteile: Die Friktion ist auch über viele Jahre hinweg gleicher­ maßen gewährleistet, die reinen Materialkosten je Gramm fallen sogar geringer aus. Die Entscheidung, ob Legierungs­käppchen oder Gerüst zur Verblendung, wird sowohl durch die Konstruktion als auch durch den Materialeinsatz (Kosten­faktor) beeinflusst.


Abb. 3: Astra Implantate inseriert.   Abb. 4: OPG-Dokumentation.


Die Ausgangssituation

Es handelt sich um einen Patienten mitt­leren Alters mit extrem reduziertem Rest­zahnbestand, lediglich die Zähne 43 bis 45 sind vorhanden und erhaltungswür­dig. Über Jahre wurden keine bzw. nur selten Prothesen getragen. Kosmetik und Passung sind absolut insuffizient (Abb. 1), die Bisslage nicht eindeutig fixiert. Mittels sechs Implantaten (Astra Tech Implant System, Dentsply Sirona Implants) im Oberkiefer und vier Implanta­ten (Astra Tech Implant System, Dentsply Sirona Implants) im Unterkiefer sollte in Verbindung mit den verbliebenen Pfeiler­zähnen mittels Teleskoptechnik eine ab­nehmbare, starre Versorgung hergestellt werden.

Aus Kostengründen, aber auch um hier kosmetisch einen größeren Spielraum zu schaffen, fiel die Entschei­dung gegen Teleskopbrücken und für so­genannte Hybridprothesen aus. Bei der Farbgestaltung bestand der Wunsch nach einer hellen, freundlichen Ausfüh­rung. Nachdem die Implantate im Ober­kiefer gesetzt sind (Abb. 2), wurden die Gingivaformer zur offenen Einheilung ein­ gebracht und die Lappenränder mittels Einzelknopfnähten fixiert (Abb. 3). Eine Kontrolle mittels Panoramaschichtauf­nahme bzw. OPG ist Standard und auch zur Dokumentation notwendig (Abb. 4).

 

Modelle, Primärteleskope und Löffel

Unser erster Kontakt bestand in diesem Fall mit Zusendung von Bildmaterial und der Abdrücke. Die Situationsmodelle zeigen im ersten Augenblick keine be­sonderen Herausforderungen (Abb. 5). Demgegenüber ist die Mundsituation, wie sich in Abbildung 1 zeigt, insuffizient: Die Zahnmitte ist leicht verschoben, der Zahnachsverlauf unbefriedigend, die Oberkieferfront deutlich zu kurz und im Unterkiefer das Frontzahngebiet gegen­über dem verbliebenen Restzahnbe-stand exorbitant zu lang.

Abb. 5: Situationsmodelle.   Abb. 6: Pfeilerzähne beschliffen.   Abb. 7: Bearbeitung des Zahnkranzes.
 

Nachdem die Abdrücke der Präparation ausgegossen, ausgehärtet und entformt sind, erfolgt das Trimmen der Basal­ und Vestibulärflächen (Abb. 6). Die Lingual­fläche lässt sich sehr gut mit einem Hart­metallfräser (SGFA, Komet Dental) bear­beiten (Abb. 7). Durch die spezielle Form geht dies schnell und effizient, sogar bei noch feuchtem Gips ohne Verschmieren. Nach dem Säubern sind die Pinbohrun­gen vorzunehmen (Abb. 8), hierbei ist da­rauf zu achten, dass diese nicht zu weit bukkal gesetzt werden und bei mehreren Stümpfen eine parallele Anordnung er­folgt.


Abb. 8: Die Pinnbohrungen.

Nach dem Säubern mittels Druck­luft sind die Stufenpins (AXIOPIN®, SAM®) einzukleben, hierbei sollte wenig Schnell­kleber Verwendung finden, um angren­zende Flächen bzw. den Pinsitz selbst nicht zu verschmieren.

Abb. 9: Pins und Hülsen eingebracht.   Abb. 10: Herstellung des Splittsockels.


Abschließend werden die Gipsflächen isoliert und die gelben Hülsen aufgeschoben (Abb. 9). Beim Sockeln stehen je nach Größe des Zahnkranzes verschiedene Sockelgrö­ßen zur Verfügung, idealerweise sollte ringsum ein gleichmäßiger Rand beste­hen (Abb. 10). Folgend wird mit Sockel­gips bis leicht über den Zahnkranzrand aufgefüllt. Sobald der Sockelgips ausge­härtet ist, kann der Zahnkranz abgeho­ben und mithilfe einer Diamanttrenn­scheibe (Abb. 11) mit extragroßem Durchmesser (z.B. 987P, Komet Dental) in einzelne Segmente getrennt werden. Durch den großen Durchmesser ergibt sich ein perfekter Schnitt ohne unter­schiedliche Ansatzstellen. Anschließend wird der Stumpf zirkulär beschliffen, die Präparationsgrenze festgelegt, markiert und fixiert und zuletzt nach einem even­tuellen Ausblocken der Stumpflack auf­gebracht (Abb. 12).


Abb. 11: Extragroße Diamanttrennscheibe.


Bei der Festlegung der Einschubrich­tung ist bukkal auf möglichst dünn aus­laufende Flächen zu achten. Auch sind bei Deckprothesen zu stark unter sich gehende Kieferbereiche zu vermeiden, da diese ansonsten später ausgeblockt werden müssen. Soweit die Stümpfe gegen Wachs isoliert sind, wird mittels Tauchtechnik ein Wachskäppchen hergestellt und hierauf eine grobe Tele­skopform aufmodelliert. Okklusal und im Randbereich verwenden wir ein weiche­ res, transparenteres Wachs und für die eigentlichen Fräsflächen ein spezielles Fräswachs. Nunmehr erfolgt das Vor­ fräsen in Wachs, die Wachsspäne lassen sich leicht mit einem Pinsel und Wachs­benetzungsmittel entfernen (Abb. 13). Durch die durchschimmernde, hellgelbe Farbe des Tauchwachses lassen sich gut die Stärkeverhältnisse kontrollieren und somit der spätere Fräsaufwand deutlich reduzieren bzw. wertvoller Le­gierungseinsatz minimieren. Soweit die okklusalen Bereiche reduziert sind, er­folgt das Freilegen der Ränder und ers­tes Abheben zur Kontrolle.

Abb. 12: Stümpfe sind vorbereitet.   Abb. 13: Fräsen in Wachs.


Abschlie­ßend kann der Gusskanal angewachst werden, eine zusätzliche Retentions­perle sichert den späteren Halt im Abdruck. Angestiftet wird im Balkenguss­verfahren (Abb. 14), eingebettet im Speedverfahren. Beim Ausbetten sollte unbedingt materialschonend verfahren werden, d.h. lediglich Abstrahlen mittels Glanzstrahlperlen und niedrigem Druck, Ultraschall und Dampfstrahler. Nach dem Absäuern zeigt sich ein perfektes, homogenes Gussergebnis, ohne Fehl­stellen oder Makel (Abb. 15). Der satte, warme Farbton und die Oberflächen­güte der Legierung (Argenco Bio Light, Argen Dental) sprechen für sich. Das Ausarbeiten nach dem Abtrennen er­ streckt sich bei einem derartigen Ergebnis lediglich auf minimalste Aufpass­arbeiten und das Ausarbeiten der Randbereiche. Zur besseren Retention im Abdruck werden die verbliebenen Gusskanalstummel belassen und ledig­lich die Kanten gebrochen (Abb. 16).


Abb. 14: Angestiftet im offenen Ring.   Abb. 15: Ein perfekter Biolightguss.


Die individuellen Abformlöffel fertigen wir als erklärte Anhänger der offenen Abdrucknahme nach wie vor mit dem kaltpolymerisierenden Präzisionskunst­stoff C­Plast (Candulor) an. Dem Aus­ blocken kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Vorab sind sämtliche unter sich gehende Bereiche großzügig auszublocken. Entsprechend des Plateaus der Heilungskappen wird axial mit einem dicken Wachsdraht entspre­chend der Länge der Abdruckpfosten inklusive Schraube verlängert. Entspre­chend ergibt sich eine ausreichend große Austrittsöffnung für die Schrau­ben (Abb. 17). Die Bereiche der eigent­lichen Abdruckpfosten sind zirkulär zusätzlich stark ausgeblockt, um eventuelle Abweichungen auszugleichen bzw. dem Anwender einen ausreichenden Spielraum zu ermöglichen (Abb. 18).


Ab. 16: Abgetrennt und Aufgepasst.   Abb. 17: Festlegung der Richtung/Austrittsöffnung,   Abb. 18: Ausblocken für den Indilöffel,

 

Auch im Bereich der Primärteleskope muss ausreichend Spiel vorhanden sein. Ein stabiler Löffelgriff, eventuell noch mit palatinaler Abzugshilfe, erleichtert dem Behandler das Lösen der Abformung. Derart gefertigte Löffel mit C­Plast bringen neben der hohen Stabilität eine bestmögliche, sichere Fixierung der Abformpfosten und zu­dem für den Behandler maximal kleine Anpasskorrekturen (Abb. 19). Bei der eigentlichen Abdrucknahme ist darauf zu achten, dass die Abformpfosten exakt in der Endposition mit der Sechs­kantrotationssicherung fixiert sind, die farblichen Codierungen schließen ein Verwechseln aus (Abb. 20).

 
 
Abb. 19: Der C-Plast-Löffel zur offenen Abdrucknahme.   Abb. 20: Astra Implantatabdruckspfosten in vivo.   Abb. 21: Laboranlage sind eingebracht und ...


Abdruck, Meistermodell und Biss

Nach der offenen Abformung mittels indi­viduellem Abdrucklöffel können die Labor­ analoge eingebracht werden (Abb. 21). Vorab ist der Implantatsitz sorgfältig auf eventuelle Fehlstellen oder Fremdkörper unter dem Stereomikroskop zu untersu­chen. Um ein Überdrehen der Abdruck­pfosten zu verhindern, dürfen die Fixie­rungsschrauben nur leicht von Hand angezogen werden. Im Unterkiefer sind zusätzlich die drei Präzisionskunststoff­stümpfe für die Primärteleskope einzu­bringen (Abb. 22) und mittels einer dün­nen Wachschicht zu stabilisieren. Um Verfälschungen der Gingivaanteile aus­zuschließen, darf nur mit minimalen, sehr heißen Wachsmengen gearbeitet wer­den. Ein Verblocken der Schraubenköpfe mit Pattern bringt zusätzliche Sicherheit beim Ausgießen.

Abb. 22: ... im UK mit Präzisionskunststoffstümpfen.   Abb. 23: Gi-Mask ist eingebracht im OK ...

 

Sobald der Abdruck isoliert ist, kann das Zahnfleischmaskenmaterial eingebracht werden. Es ist darauf zu achten, dass eine gleichmäßige Höhe besteht und zur sicheren Verankerung zwei Drittel des Kunststoffstumpfes  (einschließlich Retention/Schraubenkopf) herausragt. Die Enden sind nach dem Aushärten zum besseren Halt im Gips rechtwinklig mit einem Skalpell abzuschneiden (Abb. 23 und 24). Mit einem feinen Pinsel und etwas Spülmittel sind eventuelle Reste der Zahnfleischmasken­Isolierung (Gi­Mask, Colténe Whaledent) vorsichtig zu entfer­nen, abschließend den Abdruck mehr­mals mit klarem Wasser ausspülen.


Abb. 24: ... und UK, Enden sind beschnitten.   Abb. 25: Abdruck ausgegossen.


In bekannter Art und Weise wird der Ab­druck ausgegossen (Abb. 25), anschlie­ßend ein Split erstellt und getrimmt. Um ein leichtes und exaktes Repositionieren der Zahnfleischmasken­anteile (Gi­Mask, Colténe Whaledent) zu gewährleisten, müssen diese nach dem ersten Abheben bearbeitet werden. Hierbei sind mit einem speziellen Fräser für weichbleibende Sili­ konmaterialien (z.B. GSQ­Fräser, Komet Dental) die Innenkanten abzurunden (Abb. 26). Im weiteren Verlauf bringen wir ein provisorisches Abutment zum Ver­schrauben ein und blocken die verblie­benen Austrittsöffnungen großzügig aus (Abb. 27). Mittels C­Plast (Candulor) wird nun eine stabile, verwindungsfreie Biss­ schablone hergestellt und abschließend ein idealisierter Wachswall mit Fixierungs­rillen aufgebracht (Abb. 28). Entsprechend einer ersten Vorbissnahme kann nunmehr die Unterkieferschablone, gleichfalls verschraubt, lagerichtig her­gestellt werden (Abb. 29).


Abb. 26: Bearbeiten der Zahnfleischmaske mit dem GSQ-Fräser.   Abb. 27: Ausgeblockt mit provisorischem Abutment..
 
Abb. 28: Verschrsubte Bissschablone mit Bisswall.   Abb. 29: Mit Gegenbiss im Artikulator.   Abb. 30: Bissgabel mit Verschraubung.


Um dem Behandler den Ablauf mit dem Gesichtsbogen zu erleichtern, stellen wir ebenfalls eine verschraubte Bissgabel (Abb. 30) her, bestücken diese mit dem A­Silikon Platinum 85 (Zhermack) und lassen den Oberkiefer einbeißen. Nach dem Aushärten wird reduziert, vor allem im Bereich der Heilungskappen. Bereits zur Bissnahme haben wir auch eine ver­schraubte, provisorische Aufstellscha­blone hergestellt und anhand der provi­sorischen Bissnahme eine erste Front­aufstellung vorgenommen (Abb. 31). Eine derartige Vorgehensweise erfordert einen etwas höheren Zeitaufwand, vermindert aber letztendlich die Fehlerquote, bringt bereits im Vorfeld gesicherte Informatio­nen und spart somit Zeit in der weiteren Ausführung durch weniger Einproben bzw. Umstellungen.

Abb. 31: Erste provisorische Afstellung.   Abb. 32: Schädelbezügliche Artikulation.   Abb. 33: Gegenbiss eingestellt.


Aufstellung und individuelle Abutments

Nach erfolgter Bissnahme wird zuerst der Oberkiefer schädelbezogen artikuliert (Abb. 32) und anschließend der Gegen­biss anhand der Bissschablonen einge­stellt (Abb. 33). Bei der Bissnahme sind vom Behandler auf dem Wachswall u.a. die Mittellinie, Lachlinie, Lippenschluss­linie einzuzeichnen. Um dies im weiteren Arbeitsablauf zu fixieren und jederzeit nachprüfen zu können, fertigen wir ver­schiedene Platinumvorwälle (Abb. 34). Die Einprobe des Frontsegmentes ergab: Die Mitte liegt ca. 1 mm zu weit links, die Achsrichtung ist zu korrigieren und gleichzeitig der 1. Quadrant auf die Horizontale auszurichten (Abb. 35), zudem den Zahnbogen ab den 3ern enger gestalten und die Front insgesamt wegen der Lippenfülle so weit wie mög­lich retrudieren. Soweit die Änderungen vollzogen sind, wird mittels Vorwall die Front auf die definitive Aufstellschablone übertragen (Abb. 36). Nunmehr erfolgt die Aufstellung der unteren Front und der Seitenzähne in gewohnter Art und Weise.

Abb. 34: Vorwälle aus Platinum sichern Informationen.   Abb. 35: Notwendige Änderungen.
 
Abb. 36: Übertragung der Aufstellung.   Abb. 37: Randbereiche zur Kontrolle im OK ...


Um die Platzverhältnisse für die Unterkonstruktion im Auge zu behalten, lassen wir den Randbereich in den kriti­schen Regionen beim Oberkiefer u.a. Regio 11 bukkal (Abb. 37) und Unter­kiefer Regio 31/32 bukkal und lingual (Abb. 38) frei. Soweit das endgültige Re­sultat erreicht ist, können die Öffnungen verschlossen und sämtliche Bereiche ausmodelliert werden. Mit einem was­serfesten Filzstift ist der zur Verschrau­bung herausnehmbare Zahn 15 mit einem x gekennzeichnet. Die Ober­flächenstruktur wirkt natürlich und die Inzisalkanten sehr lebendig (Abb. 39), insgesamt sind die Verschachtelungen lebhaft, aber nicht übertrieben. Entspre­chend erfolgt nunmehr eine Einprobe, in der die Kosmetik und die Bisslage noch­mals überprüft werden. Im vorliegenden Fall bestand nur eine minimale Abweichung beim Biss, die Kosmetik fand sei­tens des Patienten und auch Behandler nur positiven Zuspruch.

Abb. 38: ... und UK noch freigelegt.   Abb. 39: Komplett ausmodelliert,


Somit konnte jetzt mit der Herstellung der individuellen Abutments begonnen werden. Verschiedene Vorwälle sind unerlässlich, um die Platzverhältnisse exakt überprüfen zu können. Beim Pala­tinalvorwall zeigt sich die starke Auffächerung der Implantate nach labial (Abb. 40). Mit dem Vorwall von bukkal wird die Ausrichtung festgelegt. Hierbei wird deutlich, dass die Kunststoffkamine der CastDesign™­Abutments (Dentsply Sirona Implants) ein exaktes Anliegen des Vorwalls verhindern, d.h. der Einschub muss sehr stark nach distal ver­legt werden (Abb. 41). Um unnötige, zeit­intensive Fräsarbeiten zu vermeiden; vor allem jedoch den Legierungseinsatz so gering wie möglich zu halten, fräsen wir bereits die Kunststoffkamine der angussfähigen Abutments vor.


Abb. 40: Extrem aufgefächert nach labial.   Abb. 41: Der Einschub wird festgelegt.
 

Abb. 42: Vorfräsender CastDesign™-Kunststoffkamine.

  Abb. 43: Abutments in Wachs aufgebaut.

Mit dem Fräser H364RXE (Komet Dental) lässt sich leicht und effizient die Ausrichtung grob vorfräsen (Abb. 42). Nunmehr wird mit Fräswachs die eigentliche Abut­mentform komplettiert, besondere Auf­merksamkeit ist hierbei bereits auf einen perfekten Übergang zur Gingiva bzw. eine entsprechende Stufenaus­ formung im Randbereich (Abb. 43) zu legen. Anschließend kann in Wachs ge­fräst werden, in den Bereichen der spä­teren TK­Snap­Elemente (Si­tec) sollte, so weit möglich, eine plane Fläche für das angussfähige Element vorliegen (Abb. 44). Eine laufende Kontrolle an­hand der Vorwälle (Abb. 45) hilft, Fehler zu vermeiden bzw. ausreichenden Platz für die Suprakonstruktion sicherzustel­len.


Abb. 44: Das Fräsen in Wachs.   Abb. 45: Kontrolle mit Platinumvorwall.

 

Um Verwechslungen auszuschlie­ßen und schnell die richtige Lage beim Reponieren zu gewährleisten, haben wir bukkal entsprechende Markierun­gen analog zum Modellrand ange­wachst. Im letzten Arbeitsgang werden die Randbereiche unter dem Stereo­mikroskop sorgfältig auf etwaige Fehl­stellen hin untersucht, es darf weder eine Überkonturierung zum Implantat­sitz noch ein Randspalt vorhanden sein. Abschließend werden die Objekte gründlich von etwaigen Wachs­ und Fettresten gereinigt und angestiftet (Abb. 46). Hierbei sollte der Schrauben­kanal immer nahezu senkrecht in der Muffel liegen, um Blasenbildung und somit Gussperlen zu verhindern.


Abb. 46: Angestiftet mit Kennzeichnung   Abb. 47: Ein perfekter Guss ohne Fehlstellen.
 
Abb. 48: Im OK in Wachs gefräst.   Abb. 49: Angestiftet im offenen Ring.

 

Die Haltezeit im Ofen ist bei individuellen Abutments je nach Anzahl um mindes­tens 15 – 30 Minuten zu verlängern, die Endtemperatur um 50 – 70 Grad zu erhöhen, um ein sicheres Angießen zu gewährleisten. Ausgebettet wird nur mit Glanzstrahlperlen und minimalem Druck, um Beschädigungen am Implantatsitz zu verhindern. Nach dem Absäuern zeigt sich ein perfektes, homogenes Guss­ergebnis, ohne Fehlstellen oder Makel (Abb. 47). Der satte, warme Farbton und die Oberflächengüte der Biolightlegie­rung sprechen für sich. Auch im Ober­kiefer sind zwischenzeitlich die Markie­rungen und Gusskanäle angebracht (Abb. 48). Angestiftet im offenen Ring, die Gussobjekte zur Muffelwand ausge­richtet, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen (Abb. 49). Auch hier zeigt sich nach dem Ausbetten eine beachtliche Güte ohne Fehlstellen (Abb. 50).


Abb. 50: Beeindruckend die Oberflächengüte und satte Farbe.

 

Im zweiten Teil beschäftigt sich Axel Mühlhäuser weiterhin mit den Sekun­därteleskopen sowie den Tertiärkonstruktionen der Versorgung.



Zweitveröffentlichung aus ZWL 04/2017

 

 

 



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