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01. Juni 2018, Antje Meier

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 5/7

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 5/7

Eine Herausforderung an die Industrie! Welche Kriterien waren Ihnen bei der Instrumentenentwicklung wichtig?

Meier: Natürlich braucht es gezielt Instrumente, die die Anforderungen an spezielle Geometrien bei der Präparation einhalten können. Das beginnt gleich beim ersten  Behandlungsschritt, der kontrollierten Markierung der geplanten okklusalen Eindringtiefe. Die punktförmige Lasermarkierung am Diamantinstrument 855D – die bei Rotation zur Linie wird – zeigt an, ob man wirklich den gewünschten Millimeter eingedrungen ist. Nach Anbringen der okklusalen Orientierungsrillen wird dasselbe Instrument bei geneigter Ausrichtung zur Reduktion der okklusalen Flächen ein gesetzt. Dabei ist es wichtig, dass die Höcker-Fossa-Relation beibehalten wird. Damit liefert der 855D enorme Sicherheit.

Ein weiteres Spezialinstrument, den OccluShaper, entwickelten wir zur Gestaltung der Okklusalfläche. Wir betrachteten die weit verbreitete Arbeitsweise, die okklusale Reduktion mit einem horizontal angelegten Präparationsdiamanten vorzunehmen, was durchaus Risiken birgt. Wird in der Okklusion nicht unter Bewahrung der Höcker-Fossa-Relation anatomisch korrekt und unter Einhaltung der Mindeststärken präpariert, kann es zu Brüchen der Restauration kommen. Die OccluShaper formen die Kaufläche anatomisch korrekt aus. Keramische Präparationen erfordern abgerundete Konturen. Okklusal ist zentral eine konkave Form, im Bereich der ehemaligen Höcker sind konvexe Formen erforderlich.

Der OccluShaper verbindet all dies und ist ein wunderbares Hilfsmittel für einfaches, anatomisch korrektes Einkürzen. Das Instrument (Figur 370) gibt es sogar in zwei Größen, also für Prämolaren und Molaren. Ein formkongruenter Finierer (Figur 8370) ermöglicht anschließend die Glättung der Oberfläche, ohne die Form zu verändern. Ohne die genannten speziellen Instrumente war die Präparation von Okklusionsonlays bisher technisch schwierig. Der Zahnarzt muss nur eingefahrene Behandlungsmuster überwinden.
 


Abb. 7: Okklusionsonlays aus Lithiumdisilikathkeramik (IPS e.max Press Multi) zur Versorgung der Zähne 34 bis 37 vor der Einprobe (Zahntechnik: ZTM Otto Prandtner, München). Die okklusale Mindestschichtstärke betrug 1 mm.

Abb. 8: Okklusionsonlays aus Lithiumdisilikatkeramik (IPS e.max Press Multi) nach der ädhasiven Eingliederung mit einem Mehrschritt-Ädhasivsystem (Syntac/Variolink Esthetic LC, Ivoclar Vivadent, Schaan, FL).

 

Noch weniger invasiv als Okklusionsonlays dürften Kompositrestaurationen sein ...

Edelhoff: Sie haben vollkommen recht. Kompositrestaurationen können durchaus rein additiv, also ganz ohne oder nur mit minimaler Präparation (Abschrägungen) eingesetzt werden. Grundsätzlich ist es nach meiner Ansicht eine Frage der Kosten, der praktischen Fähigkeiten des Zahnarztes und der gewünschten Haltbarkeit.

Wann sind sie den Okklusionsonlays vorzuziehen? Was sind die Unterschiede?

Edelhoff: Man kann es vielleicht auf folgende Punkte herunterbrechen:

- Direkte Kompositrestaurationen sind kostengünstiger und weniger invasiv. Sie verlangen allerdings viel Erfahrung und praktische Fähigkeiten vonseiten des Zahnarztes. Die Stabilität bei komplexen Rehabilitationen mit Veränderung der VDO ist ungünstiger als bei Keramikrestaurationen.

- Indirekte Keramikrestaurationen eignen sich besser für komplexe Rehabilitationen, wenn eine genaue und langfristig stabile Okklusion, Form und Farbe erwünscht ist. Die Kosten sind deutlich höher, da zahlreiche Arbeitsschritte herstellungsbedingt in das zahntechnische Labor übertragen werden.


Ahlers: Ich sehe das etwas kritischer. Was Sie mit Ihrer Frage vermutlich meinen, ist, dass die Präparation für Kompositrestaurationen noch schonender erfolgen kann?

 
Abb. 9: Ausgangssituation eines Patienten von damals 38 Jahren mit
erheblichem Zahnverschleiß (Bioskorrosion) infolge einer Kombination
aus Attritionen und Erosionen. Ausdruck der mechanischen Überlastung
sind die vertikalen Schmelzrisse in den Frontzähnen sowie die zahlreichen
zervikalen Defekte, hier sichtbar an 11 + 21. Die vertikale Dimension ist
 erkennbar abgesunken.
 

Ist das nicht so?

Ahlers: Zunächst ist es eine Frage der Schichtstärke: Da fordern bei keramischen Restaurationen die Hersteller der Keramiken als Medizinprodukt eher konservative Mindestschichtstärken, um nicht für Frakturen zu haften. Komposite sind zwar auch Medizinprodukte, aber niemand käme auf die Idee, die Fraktur einer hauchdünnen Kompositrestauration dem Hersteller anzulasten. Also darf man sie dünner ausarbeiten. Kompositrestaurationen können in direkter Verarbeitung im Mund zwar noch dünner ausgearbeitet werden. Die Frage ist nur, ob bei diesen dünnen Schichtstärken vergleichbare Haltbarkeiten realisiert werden. Meine Erfahrung spricht dagegen. Bei ausreichenden Schichtstärken hingegen halten Restaurationen aus Lithiumdisilikat besser.

So ergibt sich aus den Daten unserer klinischen Langzeitstudie mit okklusionsbedeckenden Repositionsonlays aus LS2 im Vergleich zu gleich starken Restaurationen aus Kunststoffen, dass die Repositionsonlays aus Lithiumdisilikat deutlich besser halten. Abgesehen von den Schichtstärken und Materialeigenschaften wirken sich zudem die Umstände der Behandlung im direkten oder indirekten Verfahren auf die Ergebnisse aus. So hat die Arbeitsgruppe der Universität Zürich ein direktes Verfahren zur intraoralen Rekonstruktion von Kauflächen mittels Kompositen beschrieben. Allerdings erfordert der Weg zu direkten Restauration in diesem Fall einen indirekten Zwischenschritt in Form eines Wax-ups, das anschließend in eine Negativform überführt wird, als Grundlage der direkten Ausformung im Mund. Bei diesem Vorgehen weicht die spätere Form nach Ausarbeitung und Politur, aber fast immer leicht von der Planung ab, so dass bei bimaxillären Restaurationen nach der Behandlung eines Kiefers für den zweiten Kiefer ein erneutes Wax-up erforderlich wird.

Gleichmäßige Kontakte kann man damit am Ende erreichen; bei instabiler Kieferposition und/oder Gelenkstellung hingegen ist eine kontrollierte Einstellung der Kieferposition so nicht zu erreichen. Das direkte Verfahren eignet sich daher nur für Patienten mit stabiler Kieferposition und Gelenkstellung. Konsequenz: Neben der Schichtstärke und den Materialeigenschaften hängt das Ergebnis auch von den Umständen der Verarbeitung ab.

PD Dr. M. Oliver Ahlers
studierte Zahnmedizin in Hamburg und hat sich bereits 1992 auf die Funktionsdiagnostik spezialisiert, 2005 Gründung u. zahnärztliche Leitung des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf.
oliver.ahlers@cmd-centrum.de
 
Prof. Dr. Daniel Edelhoff
studierte Zahnheilkunde in Aachen und ist seit 2014 Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum München, seit 2016 Präsident der AG Dentale Technologie (ADT).
daniel.edelhoff@med.uni-muenchen.de
 

Übersicht "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen"

Hier finden Sie eine Übersicht der siebenteiligen Serie "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen":

 

Zweitveröffentlichung aus DM 7-17

 

Weitere Infos zum Thema Okklusionsonlay finden Sie in der Broschüre.





 

Antje Meier
konservierende Zahnheilkunde | Komet Dental

    


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