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13. Juni 2018, Antje Meier

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 6/7

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 6/7

Apropos Verarbeitung: Es gibt auch CAD/CAM-gefertigte Kompositokklusionsonlays. Was halten Sie davon?

Edelhoff: Ich ziehe, ehrlich gesagt, die keramische Lösung vor. CAD/CAM-gefertigte Komposit-Restauration sind eine interessante Alternative zu Keramiken, solange sie im Schutz von Nachbarstrukturen, z.B. Zahnschmelz, eingesetzt werden. Als Restaurationsmaterial für komplexe Rehabilitationen in Form kaulasttragender Okklusionsonlays habe ich damit leider keine zufriedenstellenden Langzeiterfahrungen gemacht. Vielleicht werden uns Materialmodifikationen in naher Zukunft diese Indikation besser erschließen.

Ahlers: Meine umfangreichen Erfahrungen mit okklusionstragenden keramischen Restaurationen speziell aus Lithiumdisilikat sind sehr gut; sie übertreffen – wie gesagt – deutlich die Haltbarkeit entsprechender Kunststoffrestaurationen. Vor diesem Hintergrund verwende ich inzwischen – wann immer möglich – bei okklusionstragenden Restaurationen die indirekten Restaurationen aus hochfesten Glaskeramiken. Entsprechende Vergleichszahlen aus indirekt gefertigten Kompositokklusionsonlays liegen mir noch nicht vor. Aufgrund des unterschiedlichen Temperaturausdehnungskoeffizienten von Zahnschmelz und Kompositen sowie der großen Oberfläche bin auch ich hinsichtlich dieser Verwendung von Kompositen vorerst skeptisch.
 


Abb. 10a: Ausgangssituation desselben Patienten in der Aufsicht auf den Oberkiefer. Die unterminierten Füllungen an den Zähnen 16 mo und 26 od und die Approximalkaries an den Zähnen 25 d und 26 m wurden vorab durch dicht abschließende Kompositrestaurationen ersetzt bzw. versorgt. Auffällig sind die ernormen Substanzverluste okklusal an 15, 16 und 25, 26 sowie palatinal an 13-23.

Abb. 10b: Ausgangssituation desselben Patienten in der Aufsicht auf den Unterkiefer. Die okklusalen Kompositfüllungen an den Zähnen 36, 37 und 46 haben nicht gehalten. Auffällig snd die großflächigen Substanzverluste (BEWE-Grad 3) okklusal/inzisal an 37-47 mit unfangreicher Freilegung von Dentin.

 

Angesichts der erörterten Vorteile sollten sich Okklusionsonlays stärker durchsetzen als bislang. Wie schätzen Sie die Akzeptanz heute und in fünf Jahren ein?

Edelhoff: Okklusionsonlays besitzen ein enormes Potenzial und werden sich immer weiter durchsetzen. Der Erhalt unwiederbringlicher biologischer Strukturen und defektorientierte, häufig supragingivale Präparationen vereinfachen die gesamte Behandlung, angefangen beim Patienten (weniger belastend) bis zum Behandler (sicherere Abformung, auch im digitalen Verfahren).

Ahlers: Zudem verändern sich nach den Ergebnissen der fünften Mundgesundheitsstudie die Prävalenzen der verschiedenen Erkrankungen. Kurz zusammengefasst, geht die Karies erfreulicherweise zurück, was eine enorme Leistung der deutschen Zahnmedizin darstellt. Zugleich nehmen allerdings Zahnhartsubstanzschäden zu, die durch Biokorrosionen und Attritionen verursacht sind. Diese Defekte haben wir in der Form oder Häufigkeit in der Vergangenheit nicht gesehen, und sie bedürfen einer speziell darauf zugeschnittenen, möglichst wenig invasiven Behandlung. Genau dafür sind Okklusionsonlays entwickelt worden. Insofern gehe ich davon aus, dass die Zahl entsprechender Restaurationen in Zukunft zunimmt, zulasten klassischer Teilkronen und Kronen.

 
Abb. 11: Schmerzprotokoll des Patienten, erfasst mit dem CMDfact-
Softwaremodul CMDpain (dentalConcept.de). Erkennbar ist die hohe
Schmerzintensität, wobei die Schmerzen nicht primär aus den
verhärteten Kaumusklen stammen, sondern die Zähne betreffen
- als Folge des pathologischen Zahnverschleißes.
 

 

Wie überzeugen Sie Ihre Kollegen bzw. Kunden?

Meier: Ich sehe das ähnlich wie damals bei der Veneertechnik. Sie war neu, ungewohnt, die Praxen begegneten ihr mit Respekt und Vorbehalten. Sie musste reifen, Anwender mussten lernen, den dünnen Keramiken und der Adhäsion zu vertrauen. Genau den gleichen Weg werden Okklusionsonlays gehen. Im Kopf muss die Erkenntnis heranreifen: Der altbewährte Präparationsdiamant oder die altbekannte Ei-Form, mit der bisher okklusal die Fläche eingeschliffen wurde, ist überholt. Das ist ein erster Schritt. Dann folgt die Fortbildung. Den Technik- und Sinneswandel unterstützen wir von Komet durch Service und Aufklärung. Dazu gehören z.B. unsere Okklusionsonlaybroschüre, Produktinformationen mit klinischen Abläufen, Step-by-Step-Erläuterungen und immer wieder der Schulterschluss mit Experten. Das ergänzt die Fortbildung und hilft im praktischen Alltag.
 


Abb. 12a: Wax-up der Oberkieferzahnreihe zur Stabilisierung der physologischen Kieferposition und vertikalen Dimension. Die Zähne 18 und 28 wiesen weniger Zahnverschleiß auf und brauchten daher nicht versorgt werden. Dies kann der natürlichen Speeschen kurve zugute.

Abb. 12b: Wax-up der Unterkieferzahnreihe zur Stabilisierung der physologischen Kieferposition und vertikalen Dimension. Die Zähne 38 und 48 wiesen zwar keine Dentinfreilegungen auf, mussten aber zum Schluss der Interokklusaldistanz ebenfalls mitversorgt werden.


Kommen wir zu den Kosten.

Edelhoff: Die Kosten entsprechen in etwa denen herkömmlicher keramischer Teilkronen aus Glaskeramiken, da sowohl die Materialien als auch die zahnärztlichen und zahntechnischen Arbeitsschritte identisch sind.

 
Abb. 13: Situation nach Eingliederung aller Keramikrestaurationen aus
monolitischem Lithiumdisilikat. Die Kontur und das Oberflächenprofil
wurden auf Wunsch des Patienten der Ausgangssituation so weit
wie möglich nachgebildet.
 

 

Also wird es für die Patienten nicht günstiger?

Ahlers: Kaum. Die Kosten orientieren sich an denen für klassische keramische Teilkronen aus Glaskeramik mit adhäsiver Präparation. Voraussetzung ist allerdings gerade bei umfangreichen Zerstörungen die vorherige funktionelle Rehabilitation. Sonst beißt der Patient nach der Eingliederung der neuen Restaurationen anders zu als erwartet – das ist dann eine sehr schwierige Situation. Die Kosten für diesen Schritt treten aber in jedem Fall auf, unabhängig davon, ob in der nachfolgenden restaurativen Behandlungsphase Okklusionsonlays oder klassische Teilkronen oder Kronen zur Anwendung kommen. Wichtig und häufig unzureichend berücksichtigt ist das nachfolgende Recall. Wie in der Parodontologie gilt es, die betreffenden Patienten auf Dauer in einem klinischen Monitoring zu halten um sicherzustellen, dass kleinere Schäden an entsprechenden Restaurationen sofort intraoral repariert werden.

Zudem müssen wir abfragen, ob die Okklusionsschienen zum Schutz der entsprechenden Restaurationen regelmäßig getragen werden und prüfen, ob die Schienen ihre klinische Funktion weiterhin erfüllen. Dazu gehört auch, regelmäßig zu kontrollieren, ob Okklusionsschienen ungleichmäßig abgenutzt sind und ob sie klinisch eine veränderte Kieferposition einstellen; dies ist dann an der Okklusionsschiene zu korrigieren. Betrifft es erst die Keramik ist es dafür zu spät.

 

 
PD Dr. M. Oliver Ahlers
studierte Zahnmedizin in Hamburg und hat sich bereits 1992 auf die Funktionsdiagnostik spezialisiert, 2005 Gründung u. zahnärztliche Leitung des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf.
oliver.ahlers@cmd-centrum.de
 
Prof. Dr. Daniel Edelhoff
studierte Zahnheilkunde in Aachen und ist seit 2014 Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum München, seit 2016 Präsident der AG Dentale Technologie (ADT).
daniel.edelhoff@med.uni-muenchen.de
 

Übersicht "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen"

Hier finden Sie eine Übersicht der siebenteiligen Serie "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen":

 


Zweitveröffentlichung aus DM 7-17

 

Weitere Infos zum Thema Okklusionsonlay finden Sie in der Broschüre.



 

Antje Meier
konservierende Zahnheilkunde | Komet Dental



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