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28. Juni 2018, Antje Meier

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 7/7

Okklusionsonlay versus Krone und Teilkrone Teil 7/7

Wird bei Okklusionsonlays die Farbwahl nicht komplizierter? Und spielt das Labor da mit?

Edelhoff: Auch da ist das Vorgehen im Wesentlichen identisch mit dem bei der Versorgung mit Keramikinlays und Teilkronen aus Glaskeramik. Das erleichtert es Zahnärzten, die neue Präparationsform in ihren Praxen einzuführen.

Ahlers: Es wird entsprechend vor der Präparation die Zahnfarbe ermittelt und anschließend nach der Präparation zusätzlich die Stumpffarbe bestimmt. Aus der Kombination beider Farbtöne ermittelt der Zahntechniker den entsprechenden Farbton und Transparenzgrad des verwendeten Keramikrohlings. In der Regel ist die Farbadaptation dieser Restaurationen exzellent. Bei der Einprobe prüfen wir zunächst mit entsprechenden TryIn-Pasten, um ggf. durch Anpassung des verwendeten Befestigungskomposits die Farbwirkung nachzujustieren.

Meier: Manchmal wir es schon schwierig. Wir hören dann: „Meinem Zahntechniker möchte ich den Farbverlauf im sichtbaren Bereich nicht zumuten. Das Resultat wäre ein unschöner Übergang, es gäbe bestimmt einen Farbbruch.“ Natürlich stehen Praxis und Labor vor einer Herausforderung. Doch im Sinne einer minimalinvasiven Zahnheilkunde sollte diese Herausforderung gemeinsam angenommen werden – daran darf Innovation nicht scheitern! Okklusionsonlays retten schlichtweg Zahnsubstanz.
 


Abb. 14a: Situation im Oberkiefer-Seitenzahnbereich am Folgetag nach der Eingliederung. Die Restaurationen sind allesamt intakt: nur an 17 und 27 sieht man minimale Abfrakturen im Randbereich distopalatinal . Der Patient ist schmerzfrei. Beides - Zahnzustand und Schmerzfreiheit - hat sich bis heute (drei Jahre nach Eingliederung) gehalten.

Abb. 14b: Situation im Unterkiefer-Seitenzahnbereich am Folgetag nach der Eingliederung. Auch hier sind alle Restaurationen intakt, der Patient ist schmerzfrei und die Kieferposition ist stabil – bei leitlinienkonformem nächt- lichem Tragen einer Okklusionsschiene zum Schutz der Restaurationen und zur Stabilisierung der Funktion des craniomandibulären Systems.
 

 

Noch hat sich die Verwendung von Okklusionsonlays in der Praxis nicht durchgesetzt. Was kann helfen?

Edelhoff: Mehr Fortbildung! Zahnärzte sollten gegenüber diesen Konzepten offen sein und vermehrt Fortbildungen mit praktischen Übungen besuchen, um zeitgemäße minimalinvasive Restaurationmöglichkeiten zu erlernen und anzubieten. Die Nachfrage der Patienten wird in den nächsten Jahren stark steigen.

Ahlers: Ich schließe mich an. Mit den veränderten Schadensformen und -häufigkeiten entsteht auch der Bedarf an veränderten Behandlungen. Insofern ist es sinnvoll, wenn die Zahnärzte sich diesbezüglich fortbilden, um zeitgemäße Behandlungsangebote zu machen. Da die Patienten ein immer höheres Lebensalter erreichen, ist es aus meiner Sicht sinnvoll, restaurative Behandlungen so wenig invasiv wie möglich zu gestalten. Das Okklusionsonlay wird in dieser Hinsicht einen festen Platz in der restaurativen Zahnheilkunde erhalten. In der Zahnärztekammer Hamburg haben wir daher bereits entsprechende Kursangebote mit praktischen Übungen geschaffen. Diese werden sehr gut angenommen.

Was erhoffen Sie sich von der Wissenschaft?

Edelhoff: Mehr Evidenz durch In-vitro- und In-vivo-Untersuchungen für diese vielversprechende Versorgungsform.

Ahlers: Der Aufwand für klinische Forschung in dem Bereich geht weit über den Vergleich der Wirksamkeit von Medikament A oder Medikament B hinaus. Trotzdem erwarten die Verkehrskreise Untersuchungen nach diesem Standard, also kontrollierte randomisierte und verblindete Studien. Davon haben wir viel zu wenig. Das liegt aber in erster Linie daran, dass es so aufwendig und teuer ist, sie durchzuführen, und dass man dafür erfahrene Spezialisten braucht, damit nicht individuelle Qualifikationseinschränkungen das Ergebnis bestimmen. Dafür bieten sich Kooperationen von Kliniken mit spezialisierten Praxen an, zumal dort die notwendigen langen Beobachtungszeiten leichter realisiert werden können. Unsere Hamburger Langzeitstudie wird zum Beispiel durch Prof. Jakstat an der Universität Leipzig biometrisch betreut und ausgewertet. Zudem wäre es wünschenswert, die Forschung zu den Ursachen von Bruxismus zu stärken, denn mit den Okklusionsonlays behandeln wir die Folgen von Bruxismus und Erosionen.

Abb. 15: Unveränderte Situation nach einem jahr Tragedauer des Restaurationen.

 

Wie kann die Industrie unterstützen?

Edelhoff: Die Industrie sollte verstärkt zusammen mit den Hochschulen und Praxen die Entwicklung neuer Materialien und Konzepte zum Wohl des Patienten vorantreiben. Da sehe ich bei den Polymerkeramiken ein großes Potenzial, und es gibt bereits zahlreiche Erfolgsgeschichten.

Ahlers: Ich wünsche mir restaurative Werkstoffe, die erst nach der klinischen Erprobung mit ausreichend langer Beobachtungsdauer auf den Markt kommen – wie bei Medikamenten. Wenn dies nicht eingehalten wird, wird die EU durchsetzen, dass Medizinprodukte künftig wie Arzneimittel zuzulassen sind. Das ist nicht in unser aller Interesse. Von der Politik wünsche ich mir, dass sie die deutliche und verständliche Kennzeichnung saurer Getränke auf der Verpackung vorschreibt. Es kann nicht sein, dass der Brennwert der Produkte deklariert werden muss, der „Ätzwert“ aber nicht. Verbraucher sollten diese Information erhalten.

Meier: Mit dem Okklusionsonlayset ist Komet einen großen, wichtigen Schritt gegangen. Welche große Bedeutung die Technik für unser Unternehmen hat, zeigten wir, indem wir im Sommer 2017 die Schallspitzen SFM6 und SFD6 gleich nachlegten. Sie werden zum Glätten und Finieren der Approximalflächen eingesetzt und liefern absolut glatte Ergebnisse – im Gegensatz zu dünnen, rotierenden Instrumenten, die dazu neigen, „Girlanden“ zu erzeugen.

SFM6 und SFD6 sind zudem so konstruiert, dass der Nachbarzahn bei der Präparation nicht verletzt werden kann. Sie sind längsseitig halbiert und nur einseitig diamantiert. Wir nennen sie liebevoll unser „Approximalschwert“. Gemeinsam mit dem OccluShaper können sie übrigens auch im Rahmen der Kronenstumpfpräparation eingesetzt werden und auch die Abläufe vereinfachen und das Ergebnis sicherer machen.

Die Anforderungen an die Zukunft? Wir müssen mit der Zeit gehen. Alle Welt redet von Digitalisierung, in allen Lebenslagen ein großes Schlagwort. Der Fortschritt zeigt sich dabei oft im Kleinen. So lassen sich Okklusionsonlays bei der digitalen intraoralen Abformung sicherer scannen als weiter nach zervikal reichende Präparationen. Was an anderer Stelle für die Zahnmedizin kommt, wird sich herausstellen. Aber sicher ist, als führender Hersteller wollen wir dabei sein, Entwicklungen mitgestalten, mit schlauen Instrumenten zur Stelle sein, um neue Prozesse oder Materialien zu unterstützen.

Zusammenfassung

- Okklusionsonlays sind vor allem zur Wiederherstellung durch Biokorrosion (Erosion) und/oder Attritionen geschädigter Kauflächen indiziert. Sie unterscheiden sich von herkömmlichen Teilkronen und Kronen durch ihre geringere Extension nach zervikal.

- Ein erheblicher Teil gesunder Zahnhartsubstanz kann erhalten werden, wenn anstelle einer klassischen Krone ein Okklusionsonlay verwendet wird.

- Der Präparationsrand sollte möglichst nicht über die größte Zirkumferenz des Zahns hinausgehen und in den Unterschnitt eintreten. Im Zweifel erfolgt eine defektorientierte Präparation.

- Die Schichtstärken der Okklusionsonlays aus Lithiumdisilikat sollten okklusal zurzeit 1 mm nicht unterschreiten. Ob es auch dort noch „dünner“ funktioniert, wird sich zeigen.

- Kontraindiziert sind Okklusionsonlays, wenn biokorrosive Einflüsse weiterhin auf die behandelten Zähne einwirken, denn es bleibt bei dieser Technik ein erheblicher Anteil der natürlichen Zahnhartsubstanz ungeschützt. Bruxismus ist schwer nachweisbar und schon allein daher nicht unbedingt eine Kontraindikation.

- Für die Präparation von Okklusionsonlays sollte weniger invasiv und im Kauflächenbereich „runder“ präpariert werden. Mit speziellen Präparationsinstrumenten und einem klaren Präparationskonzept funktioniert das sehr gut.

- Noch sind Vorbehalte gegenüber dieser neuen minimalinvasiven Behandlungstechnik verbreitet. Mit entsprechender Fortbildung wird sich das ändern.

- Okklusionsonlays werden absehbar einen festen Platz in der restaurativen Zahnheilkunde erhalten. Denn der Bedarf wird aufgrund der erhöhten Inzidenz von Zahnverschleiß steigen.

 

 
PD Dr. M. Oliver Ahlers
studierte Zahnmedizin in Hamburg und hat sich bereits 1992 auf die Funktionsdiagnostik spezialisiert, 2005 Gründung u. zahnärztliche Leitung des CMD-Centrums Hamburg-Eppendorf.
oliver.ahlers@cmd-centrum.de
 
Prof. Dr. Daniel Edelhoff
studierte Zahnheilkunde in Aachen und ist seit 2014 Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum München, seit 2016 Präsident der AG Dentale Technologie (ADT).
daniel.edelhoff@med.uni-muenchen.de
 

Übersicht "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen"

Hier finden Sie eine Übersicht der siebenteiligen Serie "Okklusionsonlay versus Kronen und Teilkronen":


Zweitveröffentlichung aus DM 7-17

 

Weitere Infos zum Thema Okklusionsonlay finden Sie in der Broschüre.



 

Antje Meier
konservierende Zahnheilkunde | Komet Dental



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