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05. Oktober 2020, Dorothee Holsten

Keramikgerechte Präparation – kein Pardon Teil 1

Keramikgerechte Präparation – kein Pardon Teil 1

 

Priv.-Doz. Dr. Ahlers, die Beliebtheit von keramischen Restaurationen nimmt ständig zu, auch im Seitenzahnbereich. Wie muss sich ein Zahnarzt hier umstellen, um der Nachfrage zu genügen?

Die Nachfrage kommt nicht nur von Patienten, die Zahnärzte erzeugen sie vielfach oder überwiegend selbst. Das ist auch kein Wunder, denn zum einen fühlt es sich für Zahnärzte gut an, Zähne möglichst natürlich zu reparieren, und es macht ein gutes Gefühl, wenn Patienten über natürlich und unversehrt anmutende Zähne glücklich sind. Zudem sind Keramikinlays bei Einhaltung der Indikationen sehr gute und haltbare Restaurationen. Die Ceramic Success Analysis der DGCZ hat das über viele Jahre bewiesen, das ist vor allem das Verdienst von Dr. Bernd Reiss.

Priv.-Doz. Dr. M. Ahlers

Priv.-Doz. Dr. M. Ahlers

Welche Chance – aber auch welche Anforderung bei der Präparation – liegt in der digitalen Herstellung von keramischen Teilkronen und Inlays?

Aus meiner Sicht muss man primär unterscheiden, ob eine Praxis überhaupt Keramikinlays anbietet, das ist noch lange nicht selbstverständlich. Auch ohne Digitaltechnik machen Keramikinlays aus Presskeramik Patienten glücklich und Zahnärzte stolz. Streng genommen gelten dabei auch die gleichen Präparationsrichtlinien, denn auch bei der analogen Herstellung der Keramikinlays aus Presskeramik fließt die Keramik in der Hohlform um scharfe Ecken nicht gut herum.

Die Chancen bei der digitalen Prozesskette liegen gerade bei Inlays in der Kombination von Intraoralscan, Frästechnik und Eingliederung in einer Sitzung. Die sehr guten Ergebnisse auch der frühen CEREC-Inlays aus der Ceramic Success Analysis zeigen, dass diese Technik langfristig haltbare Restaurationen liefert. Offenbar ist der Verzicht auf die provisorische Versorgung ein Vorteil, den wir vielfach unterschätzt haben. Hinzu kommt als praktischer Vorteil, dass der Patient nicht noch einmal in die Praxis kommen muss.

Die besonderen Anforderungen aus der digitalen Herstellung ergeben sich aus der Frästechnik. Diese erfordert abgerundete Präparationsformen, weil sonst die Fräser die Formen nicht nachbilden können. Dann greift die Fräserradiuskorrektur und die Restauration passt später schlechter und damit sitzt sie weniger kontrolliert in der Kavität. Der Zahnarzt selbst hat also die spätere Passung in der Hand – das wird bei aller Betonung der Keramiken, Scanner und Frässysteme leicht vergessen.
Zudem frakturieren Keramikinlays in Kavitäten mit scharfkantig präpartierten Übergängen zu den approximalen Kästen leichter, wie Prof. Arnetzl in seinen Untersuchungen zeigen konnte.

Welche Grundregeln gilt es, bei der keramischen Präparation zu beachten?

Die Grundregeln habe ich gemeinsam mit fünf weiteren Kollegen im Internationalen Journal of Computerized Dentistry 1 veröffentlicht. Zusammengefasst gilt es demnach, Folgendes zu beachten:
 

Hier sehen Sie das Instrument 959KRD. Hier sehen Sie unser Instrument 959KRD.
Abb. 1: Das Instrument 959KRD weist eine Tiefenmarkierung bei zwei und vier Millimetern auf.   Abb. 2: Konisch, Kante rund, Tiefenmarkierung bei 2 und 4 mm

• Eher divergierend als zu parallel arbeiten, als Öffnungswinkel der Kavitätenwand sechs bis zehn Grad wählen.
• Fissurenverlauf beachten und eine okklusale Mindeststärke von 1,5 Millimeter auch unter der ehemaligen Fissur einhalten, besser zwei Millimeter.
• Mindestens 2,5 Millimeter Breite an der engsten Stelle des Inlays gewährleisten, um eine Fraktur der Keramik zu vermeiden.
• Auf ausreichend Restzahnhartsubstanz achten – neben der Keramik sollte mindestens zwei Millimeter Zahnhartsubstanz verbleiben, und zwar Dentin und Schmelz.
• Spitze Übergänge im Präparationsverlauf vermeiden und alle Winkel innerhalb der Kavität abrunden, auch den Übergang der Präparationswände zum Kavitätenboden und der Kavitätenboden zum approximalen Kasten.
• Den Winkel am Übergang von der approximalen Box zur Zahnaußenfläche nicht spitz, sondern stumpf gestalten, ideal sind 90 Grad wie einst beim Amalgam.
• Bei approximalen Präparationen den Nachbarzahn mit einer Stahlmatrize schützen und nur mit angelegter Matrize die Randleiste mit einem flammenförmigen Finierer heraustrennen.
• Im gleichen Zug die approximalen Flanken etwas konkav gestalten.
• Den approximalen Kavitätenboden plan gestalten, besser noch minimal abfallend.

Wie können die von Ihnen genannten Formen zielsicher erreicht werden?

Um die nötigen Formen schnell und sicher zu erreichen, hatten meine Kollegen und ich damals spezielle Diamantschleifer entwickelt, die zusammen als „Expertenset“ bekannt geworden sind (Komet Dental 4562ST). Dazu gehören jeweils konische Diamantschleifer, die vor Kopf plan sind und abgerundeten Übergänge erzeugen, genau wie man sie in der Kavität braucht. Daran völlig neu waren die drei Schleifkörper mit aufgelaserter Tiefenmarkierung. Diese ermöglicht, schon bei der Präparation sicherzustellen, dass man tief genug präpariert, damit die Mindeststärke stimmt, aber auch nicht tiefer – das schafft ohne Mehraufwand eine in die Präparation eingebaute Qualitätssicherung.


Hier weiterlesen.

 

1 M. O. Ahlers, G. Mörig, U. Blunck, J. Hajtó, L. Pröbster, R. Frankenberger, International Journal of Computerized Dentistry 2009; 12: 309–325

Hierbei handelt es sich um eine Zweitveröffentlichung.
Erstveröffentlichung: ZWP 1-2/2020

 


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