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05. Oktober 2020, Dorothee Holsten

Keramikgerechte Präparation – kein Pardon Teil 2

Keramikgerechte Präparation – kein Pardon Teil 2

Wie respektieren die zehn Instrumente des Expertensets 4562ST die Regeln der keramikgerechten Präparation außerdem? Gehen wir der Reihe nach durch?

Zur Öffnung der Kavität dient der Diamantschleifer 6847KRD.314.016. Die Tiefenmarkierungen bei zwei und vier Millimeter helfen, die Mindestschichtstärke der Keramik unter der Fissur zu gewährleisten. Mit dem gleichen Schleifer kann man auch gleich den approximalen Kasten anlegen. Die Flamme 8862.314.012 wird anschließend zur Separation der approximalen Schmelzanteile eingesetzt. Nun werden mit dem formkongruenten Finierer 8847KR.314.016 (gleiche Form wie der Präparationsdiamant) die Kasteninnenwände und der -boden geglättet. Zur Kavitätengestaltung stehen alternativ zwei kürzere, konische Instrumente zur Verfügung (959KRD.314.018 und 845KRD.314.025). Beide Instrumente weisen eine Tiefenmarkierung bei 2 und 4 Millimeter (959KRD) beziehungsweise bei 2 Millimeter (845KRD) auf. Auch hier stehen zum Finieren formgleiche Feinkorninstrumente zur Verfügung (8959KR.314.018 und 8845KR.314.025). Ich würde aber dringend raten, am Schluss die approximalen Kästen mit Schallspitzen auszuformen.

Hier sehen Sie das Instrument 8862 am Zahn. Hier sehen Sie die mesiale Version SFM7.
Abb. 3: Mit einer dickeren Finierflamme (8862.314.016) werden die Flanken der Kästen konkav gestaltet.   Abb. 4: Die einseitig diamantierte Schallspitze (hier die mesiale Version SFM7) erzeugt approximal sowie axial eine perfekte Abschrägung der approximalen Kästen.
 
Hier gelangen Sie zum Expertem-Set 4562ST.

Abb. 5: Das Experten-Set 4562ST für Keramikinlays und -teilkronen

Worin liegt der Vorteil, ergänzend zu rotierenden Instrumenten Schallspitzen einzusetzen?

Sie ergänzen optimal die Schleifer aus dem Expertenset 4562ST. Okklusal sind rotierende Instrumente optimal effektiv. Approximal haben sie den Nachteil, dass rotierende Instrumente zwangsläufig den Präparationsrand deutlich überragen müssen – nicht gut für den Nachbarzahn. Auch deshalb ist die approximale Präparation mit rotierenden Instrumenten kompliziert und führt leicht zu suboptimalen Ergebnissen. Schallspitzen haben diesen Nachteil nicht und formen gleichsam automatisch genau die richtige Form aus. Weil sie einseitig belegt sind, können sie den Nachbarzahn nicht verletzen.
Daher kombiniert man zweckmäßigerweise das Expertenset approximal mit den Schallspitzen SFM7 und SFD7. Das M steht für mesial und das D für distal. Damit das Instrumentarium dann auch bei Bedarf zur Hand ist, braucht man in jedem Sprechzimmer ein solches Set. Wenn man die Praxis im Tray-System organisiert, gehört auf das Tray ein Expertenset und ein Set SFM7 und SFD7. Bei uns sind die Schallspitzen in sterilisierbaren Metallständern konfektioniert, Aufschrift „Keramik“.

Sie haben die SFM7/SFD7 2012 gemeinsam mit Komet Dental entwickelt, obwohl es auf den ersten Blick ähnliche Schallspitzen von KaVo bereits auf dem Markt gab. Warum?

Mit den Schallspitzen von KaVo hatte ich vorher lange im Hamburger UKE gearbeitet, das war einst eine brilliante Entwicklung für kleine Erstversorgungen in Kombination mit Keramikinserts. Dafür verjüngten sich diese Feilen nach zervikal hin und zudem waren und sind sie eher dünn. Für die meisten Defekte – einschließlich der Präparation von Inlays zum Ersatz von Amalgamfüllungen – hingegen benötigt man aber eine andere Geometrie, sie muss nach zervikal gleichmäßig zulaufen, sollte nach approximal leicht abgeschrägt sein und nach axial, also zur Zahnmitte hin, etwas dicker sein, damit man die Kavitätenwände auch damit glätten kann. Diese Vorgaben bedingen eine andere Form. Komet hat dies nach meinen Vorgaben sehr gut umgesetzt, die entstandenen Schallspitzen sind aus meiner Sicht viel effektiver. Apropos Effektivität: Die Feilen von KaVo waren mir und anderen Experten infolge ihrer sehr feinen Körnung zu ineffektiv. Daher haben wir diese ein wenig in Richtung normaler Körnung verändert, das merkt man bei jeder Präparation.
Effektivität: Die Feilen von KaVo waren mir und anderen Experten infolge ihrer sehr feinen Körnung zu ineffektiv. Daher haben wir diese ein wenig in Richtung normaler Körnung verändert, das merkt man bei jeder Präparation. Aber im Ergebnis sind die Oberflächen immer noch eher finiert als präpariert. Die Form der Schallspitzen rundet die Winkel im Übergang vom axialen zum Schulterbereich aus, und approximal sowie axial schafft die Schallspitze eine perfekte Abschrägung der approximalen Kästen. Dermaßen glatte Präparationen lassen sich ideal abformen – herkömmlich oder optisch – der Zahntechniker hat keine Fragen.

 
Hier sehen Sie vier zur Verfügung stehende Schallspitzen.

Abb. 6: Insgesamt stehen vier Schallspitzen zur Verfügung.

Bei den Entwicklungsarbeiten stelle sich zudem heraus, dass man für Prämolaren und Molaren im Grunde unterschiedlich große Feilen benötigt:

• Bei den Molaren braucht man größere Instrumente, sonst dauert das zu lange und man vermisst die Führung der Feile in der Kavität.
• Andererseits wären Schallfeilen für Molaren und Prämolaren zu groß, hier müssen die Feilen kleiner sein.

Daher war die ehrliche Lösung, mit der SFM7/SFD7 je zwei getrennte diamantierte Schallspitzen für die approximale Kavitätenpräparation von Prämolaren und Molaren zu entwickeln.
Vom Arbeitsablauf her ist es ideal, nach der groben Vorpräparation der approximalen Kästen die Feinpräparation komplett mit den Schallspitzen vorzunehmen. Je nachdem, ob Prämolar oder Molar mit den kleinen oder großen, mesial mit der SFM7, distal mit der SFD7. In der Praxis heißen die Schallspitzen bei uns SF7, es wird immer das ganze Set aufgedeckt und der Zahnarzt wählt die, die er braucht. Alles andere verursacht unnötig hohe Rüstzeiten.

Und dafür lohnt es sich, zusätzlich in ein Schallhandstück zu investieren?

Ja, auf jeden Fall. Das Schallhandstück kommt auf dem Luftschlauch zum Einsatz. Man kann es auch für die Präparation von Okklusionsonlays mit der SF6 nutzen. Die ist deutlich dünner und breiter als die SF7 für Inlays. Andererseits kann man damit sehr schnell und vor allem sehr kontrolliert die Approximalräume für minimalinvasive Okklusionsonlays präparieren. Das geht konventionell nicht – oder klar schlechter. Die Schallspitzentechnologie ist kein Ersatz für rotierende Instrumente, aber da, wo es eng wird, schafft sie sehr angenehme Lösungen.
Das gilt auch für die approximale Präparation von Keramikveneers: Es ist sehr tricky, die so hinzubekommen, dass die Form stimmt und die Nachbarzähne unversehrt bleiben. Mit den Schallspitzen aus dem neuen Perfect Veneer Preparationsset (PVP) hat das ein Ende, weil hier die optimierten rotierenden Schleifer durch ideal passende Schallspitzen ergänzt werden. Das macht echt Freude.

Welche Weiterbildungen empfehlen Sie dem Zahnarzt, um sicher keramische Teilkronen/Inlays (digital oder konventionell) anbieten zu können?

Für die Inlays ist es am einfachsten, wenn sich die Kolleginnen und Kollegen den Trickfilm anschauen, den Dr. Jan Hajtó in Zusammenarbeit mit den Kollegen Dr. Uwe Blunck, Prof. Dr. Roland Frankenberger, Dr. Gernot Mörig, Prof. Dr. Lothar Pröbster und mir entwickelt hat. Das Perfect Veneer Preparations-Set und das Okklusionsonlay Set habe ich mit Prof. Dr. Daniel Edelhoff entwickelt. Auf seinen Einzelkursen zur Präparationstechnik sowie beim Curriculum Ästhetische Zahnheilkunde der Zahnärztekammer Hamburg lernen Sie diese Schleifer und die zugehörigen Präparationstechniken kennen.

Haben Sie auch schon mal die Themenwelt von Komet Dental zu den Bereichen CAD/CAM & Vollkeramik besucht?

Ja, heute Abend wieder, um nachzusehen, ob der Trickfilm dort noch steht (lacht) – das ist der Fall. Den Film nutze ich auch in meinem Seminar für die Studierenden des 9. Semesters, um den Ablauf der Präparation anschaulich zu zeigen. Dann sind in der Regel alle Fragen geklärt. Die SF7 finden Sie darin bei 1:40 Minuten, aber ich rate, den Film von vorn anzusehen. Zudem finden Sie in der Komet Themenwelt Vollkeramik & CAD/CAM im Bereich Okklusionsonlays ein Video zur Okklusionsonlay-Präparation. Viel Spaß!

Hierbei handelt es sich um eine Zweitveröffentlichung.
Erstveröffentlichung:
 ZWP 1-2/2020
 


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