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Famulaturbericht Cookinseln März 2019

Famulaturbericht Cookinseln März 2019

Famulaturbericht Cooksinseln, März 2019

von Julian Werner und Kilian Strick

Zusammen mit einem Kommilitonen habe ich nach dem 9. Fachsemester vom 25.2. bis zum 28.3.2019 eine Auslandsfamulatur auf den Cookinseln absolviert. Die Idee dazu kam uns recht spontan Ende November und nachdem ein Kommilitone, der dort bereits eine Famulatur gemacht hatte, uns von seinen Erfahrungen erzählt hat, waren wir vollends überzeugt und haben uns sofort bei Dr. George Hosking beworben. Die Kommunikation gestaltete sich schwierig und nachdem wir die Bewerbungsmail ungezählte Male abgeschickt haben, bekamen wir Mitte Januar die schriftliche Zusage. Da die Famulatur schon bald beginnen sollte, mussten wir jetzt in ziemlich kurzer Zeit alle Vorbereitungen treffen: Flüge buchen, bei ZAD und DAAD alle Formalitäten für den Fahrtkostenzuschuss erledigen, Reiseimpfungen, bei Dentalfirmen Materialspenden einwerben usw. Nachdem das alles erledigt war, konnte es dann auch schon losgehen.

Nach einer langen Reise mit Zwischenstopp in Los Angeles wurden wir auf der Hauptinsel Rarotonga von George am Flughafen abgeholt. Er sorgt bei Bedarf auch für eine Unterkunft. Rarotonga ist die größte und mit knapp 14.000 Einwohnern die am dichtesten besiedelte Insel. Die Umrundung mit dem Bus dauert nicht mal zwei Stunden, im Hinterland imponiert eine grüne Berglandschaft, die Küste besteht ausschließlich aus Strand mit vorgelagerten Korallenriffen, dazwischen liegen beschauliche aber sehr touristisch geprägte Ortschaften.

 

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Auf der Insel Rarotonga

 

Zwei Tage nach unserer Ankunft begannen wir mit der Arbeit in der örtlichen Zahnklinik und ohne größere Einweisung wurde uns ein Stuhl und ein Patient zugewiesen. Wir konnten vollkommen eigenständig Behandeln, von Anamnese über Befund, Diagnose, Therapieentscheidung und Behandlung. Hier macht sich dann schnell unangenehm bemerkbar, dass keinerlei Patientenkartei geführt wird nur die OPGs aber keine Zahnfilme archiviert werden, sodass man im Grunde jedes Mal bei Null beginnen muss. Dazu kommt, dass in der Klinik ein heilloses Durcheinander herrscht, sodass man viel Zeit mit der Suche nach Materialien verbringt. Das ist insofern sehr schade, weil im Grunde alles vorhanden ist aber oft einfach nicht gefunden wird. Auch die Hygiene bzw. Instrumentenaufbereitung ist nicht mit deutschen Standards vergleichbar. In Bezug auf Strahlenschutz sollte man ebenfalls Acht geben, da z.B. das OPG nicht von der Instrumentenaufbereitung abgeschirmt ist. Die Zahnärzte bleiben auch üblicherweise bei Röntgenaufnahmen beim Patienten, ohne wenigstens eine Bleischürze zu tragen.

 

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Strand auf der Insel Rarotonga

 

Die Patienten kommen hauptsächlich zur Schmerztherapie oder wegen herausgefallener Füllungen, darüber hinaus werden als Zahnersatz hauptsächlich Interimsprothesen aus dem hauseigenen Labor und in geringem Maßstab auch kieferorthopädische Leistungen angeboten. In weiten Teilen der Bevölkerung ist kein Bewusstsein für Mundgesundheit vorhanden, was sich auch schon im Kindesalter bemerkbar macht. Viele Kinder haben umfangreichen Sanierungsbedarf bzw. schon Milchzähne verloren und Stützzoneneinbrüche erlitten. Ästhetische Einbußen werden weitgehend toleriert, oft wird erst bei akuten Schmerzzuständen der Zahnarzt aufgesucht. So hatten wir die Möglichkeit zahlreiche Zähne zu extrahieren und zu trepanieren, was eine willkommene Abwechslung zum Kursalltag in der Uni darstellte. Unerwartet war, dass auch viele Medizintouristen aus Neuseeland zu unserem Patientenklientel gehörten. Da die zahnmedizinische Versorgung in Neuseeland nach dem 18. Lebensjahr nicht zum Leistungsspektrum der Krankenkasse gehört, ist es für viele billiger, zur Sanierung auf die Cook Inseln zu reisen, wo beispielsweise eine Extraktion 30 statt 2-300 Dollar kostet. Die Patienten sind im Allgemeinen sehr dankbar und freuen sich auch oft explizit darüber, von deutschen Studenten behandelt zu werden. Die Kommunikation stellte zu keiner Zeit ein Problem dar, da jeder neben dem Cook Island Maori auch die Amtssprache Englisch beherrscht.

 

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Behandlung eines Patienten

 

Unsere Freizeit haben wir mit tauchen, Wanderungen auf den schmalen Pfaden durch den Dschungel und auf die beeindruckenden Berge, schnorcheln, golfen, und natürlich Nichtstun an den zahlreichen wunderschönen Stränden verbracht. Die erste Woche haben wir in der von George vermittelten Unterkunft, dem Mauke Hostel zusammen mit den anderen Famulanten verbracht. Danach sind wir zu Ingrid, einer sehr herzlichen deutschen Auswanderin, in einen Bungalow im Hauptort Avarua gezogen.

Nach zwei Wochen auf Rarotonga flogen wir auf das Atoll Aitutaki, mit dem Propellerflugzeug etwa eine dreiviertel Stunde entfernt. Den Kontakt zur Praxis und eine Unterkunft wurde durch George vermittelt. Aitutaki bietet mit seiner weitläufigen Lagune das, was man sich gemeinhin unter Südsee vorstellt: türkisfarbenes Wasser, unbewohnte Inseln mit weißen Sandstränden und zahlreiche Korallenriffe, die zum Schnorcheln einladen. Im Umkehrschluss muss man allerdings auch sagen, dass es das auch schon war: viele Menschen haben die Insel in der Hoffnung auf bessere Ausbildungs- und Verdienstmöglichkeiten mit Ziel Rarotonga oder gleich Australien oder Neuseeland verlassen. Vermutlich gerade wegen des dörflichen Charakters ist ein ausgeprägter Zusammenhalt und die Mentalität einander zu helfen weit verbreitet. Als wir einmal mit dem Roller liegengeblieben sind, dauerte es keine fünf Minuten bis sich ein freundlicher Herr anbot mit dem Kanister zur nächsten Tankstelle zu fahren und uns Benzin zu besorgen. Außerdem ist zu erwähnen, dass der Glauben auf den Cook-Inseln im Allgemeinen eine sehr große Rolle einnimmt. Vor jeder gemeinsamen Mahlzeit wird ein Gebet gesprochen. Der Sonntag ist heilig, an diesem Tag geht wirklich jeder in die Kirche und alle Geschäfte haben geschlossen, das öffentliche Leben kommt komplett zum Erliegen. Auch auf den kleineren Inseln mit wenigen hundert Einwohnern gibt es mehrere Kirchen verschiedener Konfessionen.

Die Zahnarztpraxis auf Aitutaki ist an das Krankenhaus angegliedert und verfügt über einen Behandlungsstuhl. Joe, ein Zahnarzt von den Fidschi-Inseln, war der einzige Zahnarzt auf Aitutaki und hat zusammen mit uns die Insel verlassen, auf absehbare Zeit gibt es keinen Nachfolger. Er hat hier vieles zum Guten verändert, was Hygiene, Ordnung und Dokumentation anbelangt. Obwohl es die letzte Woche war, in der die Praxis besetzt war, hatten wir nicht sonderlich viel zu tun – bis auf den letzten Tag, als auf einmal die halbe Insel nach einem spontanen Termin fragte. Das Behandlungsspektrum entspricht weitgehend dem auf Rarotonga: Schmerztherapie, Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen, Extraktionen. Joe hat uns die meiste Zeit selbst behandeln lassen und konnte uns auch noch einiges beibringen. Die Materialspenden waren hier am richtigen Ort, da z.B. durch einen Mangel an Guttaperchapoints schon seit längerem keine Wurzelfüllungen mehr möglich waren.

 

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Natur auf Aitutaki

 

Nach einer Woche kehrten wir nach Rarotonga zurück und verbrachten dort die verbleibende Zeit, inzwischen waren vier neue Famulanten angekommen, während die anderen schon nach Deutschland zurückgekehrt bzw. noch auf einer der äußeren Inseln arbeiteten. So hatte man ständig neue Gesichter aber nie Konkurrenz um die Patienten. Abschließend ist zu sagen, dass die Studenten in der Klinik auf Rarotonga sehr willkommen sind, aber man weder auf die Arbeitskraft noch die Materialspenden ernstlich angewiesen ist. Auf den äußeren Inseln, die zum Teil über Jahre nicht durch einen Zahnarzt versorgt werden, ist diese Unterstützung wesentlich hilfreicher.

An unserem letzten Wochenende machten wir einen Ausflug nach Atiu, eine kleine Insel mit gerade einmal 400 Einwohnern. Hier waren wir, von einem Schweizer abgesehen die einzigen Touristen. Die Insel ist fast vollständig bewaldet, die einzigen Attraktionen sind die beeindruckenden Tropfsteinhöhlen, tief versteckt im Dschungel und verschiedene seltene Vögel. Ansonsten ist die Insel mehr oder weniger schnell mit dem Roller auf Feldwegen umrundet, an der Küste sind viele schöne Strände versteckt, die allerdings nicht zum Baden einladen. Auch hier gibt es eine Zahnarztpraxis, die jedoch seit längerem nicht mehr besetzt war.

 

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Ausflug nach Atiu

 
Zurück auf Rarotonga wurde an unserem letzten Abend zum Abschied bzw. zur Begrüßung der neuen Famulanten von der Zahnklinik ein gemeinsames traditionelles Essen aus dem Erdofen zusammen mit allen Mitarbeitern ausgerichtet. Die fast fünf Wochen, die wir auf den Cook Inseln verbracht haben, haben uns fachlich weitergebracht, weil wir hier die Möglichkeit hatten, ein ganz anderes Behandlungsspektrum kennenzulernen. Statt geplanten Behandlungen waren hier die akute Problemlösung bei einem gänzlich unbekannten Patienten gefragt. Auch die zahlreichen Extraktionen und Trepanationen wären innerhalb der universitären Lehre nicht durchführbar gewesen. Darüber hinaus hatten wir die Möglichkeit eine Gesellschaft mit ganz anderen Wurzeln kennenzulernen und viele Menschen getroffen, die uns ausgesprochen freundlich aufgenommen haben. Erwähnenswert ist nicht zuletzt auch die Schönheit der Natur dieses Archipels.

 

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Mitarbeiter der Klinik

 
Wir möchten uns an dieser Stelle bei den Firmen Edeka, Henry Schein Dental Deutschland GmbH, Ivoclar Vivadent GmbH, Komet Dental Gebr. Brasseler GmbH & Co. KG und VOCO GmbH für die großzügigen Materialspenden bedanken.

 

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