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Famulaturbericht Seychellen August/September 2018

Famulaturbericht Seychellen August/September 2018

Famulaturbericht Seychellen, August/September 2018

von Minje Lüder

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Seychellen Flagge

 

Organisation

Elf Monate vor Beginn der Famulatur habe ich mit der Organisation begonnen. Bei mir ging alles sehr schnell und innerhalb von zwei Wochen hatte ich schon die Zusage. Allerdings zog es sich bei meiner Famulaturpartnerin über mehrere Wochen hin und in alten Famulaturberichten habe ich sogar gelesen, dass man teilweise bis zu vier Monate auf eine Antwort warten muss. Nach der ersten Kontaktaufnahme werdet Ihr aufgefordert ein genaues Start- und Enddatum für die Famulatur festzulegen, sowie einen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und ein Empfehlungsschreiben von Eurer Uni zu senden. Um den Bewerbungsprozess zu beschleunigen könntet Ihr diese Unterlagen auch schon Eurer ersten E-Mail anhängen. Zurzeit ist Herr Majid Annette (majid.annette@health.gov.sc) zuständig.

Unterkunft

Mit der Zusage erhaltet Ihr eine Liste mit potentiellen Unterkünften. Wir haben uns für Rene Durup entschieden (https://sites.google.com/site/seyresidence/). Er wohnt direkt neben dem Krankenhausgelände und vermietet mehrere Zimmer in seinem Haus. Man bezahlt 100€ Buchungsgebühr und dann 15€/Nacht/Person bei Doppelbelegung oder 25€/Nacht/Person bei Einzelbelegung pro Zimmer. Das Zimmer war sauber, allerdings muss man teilweise diesbezüglich in den gemeinschaftlichen Räumen etwas toleranter sein. In der Küche gibt es außerdem viele Kakerlaken und Ameisen, aber man gewöhnt sich daran. Viermal in der Woche kommt eine Reinigungskraft, die die gemeinschaftlichen Räume säubert.

Es gibt zwei Zimmer, die Zugang zum Balkon mit Blick ins Grüne haben und ganz schön sind. Allerdings gibt es auch ein Zimmer neben der Küche, was kein Fenster nach draußen hat und ein relativ beengtes Zimmer unterm Dach. Ich würde im Vorfeld fragen welche Zimmer noch frei sind. Die Unterkunft würde ich grundsätzlich aber trotzdem empfehlen. Man hat zur Klinik kurze Wege und wohnt in Victoria, von wo auch alle Busse zum Rest der Insel starten. Die Unterkunft und meinen Flug mit Condor habe ich ca. vier Monate vor Beginn der Famulatur gebucht.

Weiteres Organisatorisches, Reisekostenzuschuss, Spenden etc.

Übrigens gibt es auf der Seite des zahnärztlichen Austauschdienstes „ZAD“ auch die Möglichkeit einen Famulaturpartner zu suchen. So haben meine Famulaturpartnerin und ich uns auch gefunden. Grundsätzlich würde ich eher empfehlen zu zweit zu fahren. Im Februar/ März sind wohl immer sehr viel Famulanten da, während wir im August/September die Einzigen waren. Man kann zwar auch vieles in der verbleibenden Freizeit allein unternehmen, allerdings wurde uns nicht empfohlen allein an entlegene Strände zu fahren oder wandern zu gehen.

Ein weiterer Tipp von mir wäre, falls Ihr Euch für den Fahrtkostenzuschuss beim Deutschen akademischen Austauschdienst „DAAD“ bewerben möchtet, dass Ihr sobald Ihr die Zusage habt noch nach einem Bestätigungsdokument mit offiziellem Briefkopf, Stempel und Unterschrift fragt. Ich habe auf solch ein Dokument nämlich zwei Monate warten müssen. Für den Fahrtkostenzuschuss kann man sich frühestens zwei Monate vor Beginn der Famulatur bewerben, weshalb es sinnvoll ist zu diesem Zeitpunkt schon alle nötigen Dokumente beisammen zu haben.

Ungefähr zur gleichen Zeit begannen wir verschiedene Dentalfirmen zu kontaktieren und um Spenden zu bitten. Diese zeigten sich allesamt äußerst großzügig und so stapelten sich zu Hause die Pakete mit verschiedenen Materialien. An dieser Stelle möchte ich mich schon einmal ganz herzlich bei Bausch Dental, Busch, DFS-Diamon, Dentsply Sirona, DMG, Henry Schein Dental Mainz, Hahnenkratt, Hu-Friedy, Ivoclar Vivadent, Komet Dental, M+W Dental, Pluradent, SERAG-WIESSNER, Transcodent, VOCO und 3M Dental für die großartige Unterstützung bedanken.

Schon bald stellte sich mir die Frage, wie ich alles transportieren sollte und ich bat Condor mich in dieser Sache zu unterstützen. Auch Condor war sehr großzügig und gewährte mir ein zusätzliches Gepäckstück von 20kg. Vielen Dank an dieser Stelle, es wäre sonst nicht möglich gewesen so viele Spenden auf die Seychellen zu bringen! Ein weiterer großer Dank gilt der Koffer- Klinik in Kelsterbach, die mir einen Koffer zur Verfügung stellte und mich damit super unterstützt hat.

Anreise

Ich bin mit Condor direkt von Frankfurt nonstop geflogen und kann dieses sehr empfehlen. Zur Einreise auf den Seychellen solltet Ihr die Bestätigung des Krankenhauses und die Adresse bzw. Telefonnummer Eurer Unterkunft parat haben. Wenn Ihr wollt, dann holt Euch ein Fahrer von Rene für 30€ vom Flughafen ab, was ich an Eurer Stelle auch so machen würde. Ein Taxi würde wahrscheinlich genauso viel kosten und in den öffentlichen Bussen darf man keine Koffer dabeihaben.

Famulatur

Am ersten Tag der Famulatur meldet Ihr Euch um 08.00 Uhr bei Herrn Majid Annette im Redroof Building. Dort bekommt Ihr eine Bestätigung Eures Arbeitsaufenthaltes für die Beantragung des „Residential letters“ und müsst 350€ Gebühr für die Famulatur bezahlen. Mr. Anette begleitet Euch dann ins Yellowroof Building zur „Dental Section“ und stellt Euch dem Chef der Zahnklinik Dr. Jacques Filez und seinem Vertreter Dr. Jost von Schoenebeck vor. Diese empfingen uns sehr herzlich, führten uns erst einmal herum und machten uns mit den dort arbeitenden Zahnärzten bekannt, die uns auch alle sehr freundlich willkommen hießen. Danach besprachen wir noch ein paar organisatorische Dinge und schauten im Anschluss noch zwei Zahnärzten beim Behandeln über die Schulter. Am nächsten Tag brachten wir unsere Spenden ins Krankenhaus.

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Hospital Seychellen

Dank meines Freigepäcks konnte ich über 20kg Spenden mitbringen und mit denen meiner Famulaturpartnerin hatten wir gut 40kg an diversen Materialien dabei. Es war sehr rührend zu sehen wie sprachlos und unendlich dankbar alle hierfür waren. Im Prinzip kann wirklich alles sehr gut gebraucht werden! Wenn Ihr Euch jedoch entscheiden müsst, dann nehmt auf jeden Fall rotierende Instrumente, Zemente und Handschuhe mit.

 

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Gespendete Materialien

In den darauffolgenden Tagen blieben wir im Yellowroof Building. Dort assistierten wir hauptsächlich den verschiedenen Zahnärzten. Da es keine zahnmedizinische Fakultät auf den Seychellen gibt, haben die einheimischen Zahnärzte alle mit Hilfe von staatlich geförderten Stipendien im Ausland studiert. Sei es in Australien, Malaysia, Indien oder der Slowakei. Den fachlichen Standard würde ich deshalb als hoch bezeichnen. Es arbeiten auch einige ausländische Zahnärzte auf den Seychellen. Zurzeit sind viele aus Indien und Kuba dort. Englisch ist neben Kreol die offizielle Amtssprache, weshalb nahezu alle Seychellois perfektes Englisch sprechen. Gleiches gilt auch für die ausländischen Zahnärzte.

Neben dem Yellowroof Building gibt es noch diverse weitere „Gesundheitszentren“, die auf ganz Mahé in den verschiedenen Distrikten und auf Praslin zu finden sind. Dort gibt es auch immer mindestens einen Zahnarzt. Spezialisten wie Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen oder Kieferorthopäden sind jedoch nur im Yellowroof Building zu finden.

Nach ein paar Tagen wechselten wir ins English River Hospital, das sich im Zentrum von Victoria befindet. Dort durften wir ein paar Zähne ziehen und Füllungen legen. Danach kehrten wir ins Yellowroof Building zurück. Ich beschloss der Kieferorthopädin Dr. Indu über die Schulter zu schauen und verbrachte den Rest der Famulatur hauptsächlich bei ihr. Sie erklärte mir unglaublich viel und ich konnte sehr viel behandeln.

 

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Behandlung einer Patientin

Während unserer Zeit besuchten wir außerdem die Station des „Vereins zur Unterstützung der zahnmedizinischen Versorgung in Ländern der dritten Welt e.V.“ in Baie Lazare. Es handelt sich hierbei um eine private Entwicklungshilfeorganisation, die 1981 von deutschen Zahnärzten gegründet worden ist. Sie entsendet immer für jeweils drei Monate erfahrene Zahnärzte, die dann die Menschen vor Ort kostenfrei behandeln.

Außerdem begleiteten wir einen Kieferorthopäden, der regelmäßig zu verschiedenen Schulen fährt und die Kinder bezüglich ihres kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs „screent.“ Neben einigen Schulen gibt es hierfür einen kleinen Karavan mit einer voll ausgestatteten Behandlungseinheit. Es finden regelmäßig „Fluoridierungsprogramme“ statt und die sogenannten „Dental Therapists“ behandeln hier Kinder. Diese Berufsgruppe gibt es in Deutschland gar nicht. Sie übernehmen komplett die Behandlung von Kindern, also auch Füllungen und Extraktionen. Des Weiteren gibt es viele „Dental hygienists“, ähnlich unserer Prophylaxeassistentinnen bzw. Dentalhygienikerinnen und natürlich die ganz normalen zahnmedizinischen Assistentinnen.

Das Behandlungsspektrum für die Zahnärzte umfasst hauptsächlich Füllungen, Wurzelkanalbehandlungen, Extraktionen und einfache Klammer- oder Vollprothesen. Kronen - und Brückenprothetik ist grundsätzlich auch möglich, allerdings müssten die Patienten die Kosten hierfür selbst tragen. Da für die Seychellois die medizinische Versorgung ansonsten komplett kostenfrei ist, spielt diese Art der Versorgung im öffentlichen Gesundheitswesen noch eine kleinere Rolle. Der fachliche Standard der Zahnärzte ist auf jeden Fall hoch, da sie bedingt durch ihr Studium im Ausland nach „westlichem Standard“ ausgebildet sind. Beeindruckt hat mich aber immer wieder das Improvisationstalent, was man hier auf jeden Fall häufig unter Beweis stellen muss.

Es sind öfter nicht alle Materialien, Instrumente oder diagnostischen Geräte vorhanden und so muss man sich dann auf andere Weise behelfen. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass die Zahnklinik verhältnismäßig gut ausgestattet ist. Sie verfügt seit Neuestem sogar über ein digitales Röntgengerät, welches dieses Jahr von der indischen Regierung gestiftet worden ist. Man muss sagen, dass viele Gerätschaften und Materialien natürlich durch Spenden zusammenkommen. Deshalb wäre es großartig, wenn Famulanten auch weiterhin fleißig Spenden mitbringen würden, damit der verhältnismäßig hohe Standard gehalten werden kann und die Menschen weiterhin von einer kostenlosen zahnmedizinischen Behandlung profitieren können!

Land und Leute

Landschaftlich sind die Seychellen natürlich ein Traum! Weißer Sandstrand, Palmen, Granitfelsen, satte grüne Landschaften und türkisfarbenes Wasser sind hier überall zu finden. Auch die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Alles geht hier etwas gemütlicher zu und alle sind sehr entspannt.

 

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Strand auf den Seychellen
 

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Fischmarkt

Auf der Hauptinsel Mahé gibt es viel zu entdecken. Hauptattraktion sind natürlich die Strände, allerdings gibt es auch einige schöne Wanderungen. Mit dem Bus kann man im Prinzip fast alles erreichen und es ist hilfreich, wenn man sich zu Beginn einmal einen Überblick über die Routen und Fahrzeiten verschafft. Natürlich braucht der Bus schon seine Zeit und man sollte sich nicht auf den letzten Bus des Tages verlassen. Wenn man jedoch bedenkt, dass eine Fahrt immer nur 7SCR (=Seychellois rupee) kostet, ist das absolut in Ordnung.

Falls Ihr es Euch mit dem Linksverkehr zutraut, würde ich Euch dennoch empfehlen am Wochenende mal ein Auto zu mieten. Wir hatten das große Glück, dass wir viele einheimische Freunde gefunden haben, die immer sehr viel mit uns unternommen haben, weshalb wir uns kein Auto gemietet haben. Besonders möchte ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich Dr. Jost von Schoenebeck danken. Ihr solltet auf jeden Fall gegen Ende auch noch ein paar Tage nach Praslin und La Digue fahren. Des Weiteren würde ich Ausflüge nach Curieuse und zum Saint Anne Marine National Park empfehlen. Ich würde Euch auch raten den „Residential letters“ besorgen, denn hiermit erhaltet Ihr oftmals die vergünstigten Preise der Einheimischen. Zu guter Letzt ist es hilfreich, wenn Ihr Euch eine lokale Simkarte zulegt.

Résumé

Abschließend kann ich sagen, dass ich wirklich jedem ans Herz legen möchte die Chance zu ergreifen und diese einmalige Erfahrung zu machen. Es ist wirklich spannend die Zahnmedizin außerhalb Deutschlands kennen zu lernen und einen Teil hierzu beitragen zu können!

Ich danke allen, die mich bei diesem Vorhaben unterstützt haben:
Condor, Koffer-Klinik Kelsterbach, Bausch Dental, Busch, DFS-Diamon, Dentsply Sirona, DMG, Henry Schein Dental Mainz, Hahnenkratt, Hu-Friedy, Ivoclar Vivadent, Komet Dental, M+W Dental, Pluradent, SERAG-WIESSNER, Transcodent, VOCO und 3M Dental und dem ZAD und DAAD. Des Weiteren auch dem Honorarkonsul Dr. Rolf Herpens und dem Honorargeneralkonsul Max Hunzinger, die mir bei zolltechnischen und sonstigen Fragen im Vorfeld mit Rat und Tat zur Seite standen.

Kreol für Anfänger
Guten Tag = Bonzour Danke= Mersi
Bitte= Silvouple
Wie geht’s? = Comman sava?
Mir geht’s gut, danke = Mon byen, mersi. Tut es weh? = Fermal
Öffnen = Ouver Zubeißen = Morde Setzen Sie sich = Asize Injektion= Pikir

 

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