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Famulaturbericht Urubamba von März bis Mai 2019

Famulaturbericht Urubamba von März bis Mai 2019

Schon ein Jahr bevor es für mich ins Ausland gehen sollte, kurz vor meinem 10. Semester, hatte ich einen Famulaturplatz, dieser war quasi Ansporn und Zeichen, dass es bald zu Ende gehen sollte mit meinem Studium. Im November des Vorjahres war schlussendlich das Ende des Durchhaltemarathons Staatsexamen. Bis zum Famulaturbeginn arbeitete ich an meiner Dissertation, erledigte den ganzen Papierkram, der mit der Famulatur verbunden ist und sammelte Materialspenden. Manch eine Firma wäre sogar dafür bereit gewesen, mir palettenweise Desinfektionsmittel zur Verfügung zu stelle, vielen Dank dafür!

Nur aufgrund meines beschränkten Gepäckkontingents von 2 aufgebbaren Gepäckstücken musste ich dankend ablehnen. Schlussendlich war der Paketandrang trotzdem so groß, dass ich kiloweise Desinfektionsmittel der Firma Alpro zuhause lassen musste und sie anderen Famulanten mitgeben werde. Nachdem ich an meinem Reisetag, dem 27.03.19, endlich mein viel Zuviel an Gepäck aufgegeben hatte, saß ich überpünktlichst am Gate und durfte schon ein bisschen in die lateinamerikanische Kultur hineinschnuppern.  Denn es sollte nach Peru gehen! Offenbar gilt es in Lateinamerika als verpönt und als unsozial, Kopfhörer zu nutzen und so anderen den Genuss von vermeintlich lustigen Videos vorzuenthalten.

 

Ankunft in Peru

Von Cusco aus ging es mit zwei anderen Famulantinnen mit dem Taxi nach Urubamba. Zwischendurch dachten wir, dass wir nie an unserem Zielort ankommen würden, da der Taxifahrer uns auch in den Genuss seines Zweitjobs, Touriguide, kommen lassen wollte. Er erzählte sehr viel auf spanisch, und gab auch einige Brocken englisch zum Besten. Ich stellte mit einiger Erleichterung fest, dass peruanisches castellano sehr gut verständlich ist.  

Generell ist es sehr zu empfehlen, spanisch sprechen zu können. Ich hatte Spanisch einige Jahre in der Schule und hatte es durch einige Kurse an der Uni auch wieder etwas aufgefrischt.
 
Unser Guide erklärte er den ungebildeten Europäerinnen auch, dass eine Stadt aus mehreren Stadtteilen besteht, hielt mehrmals an, mit der Aufforderung, Fotos zu machen oder um Muna, eine Art peruanische Minze, die gegen die Höhenkrankheit hilft, zu pflücken. Höhepunkt der Führung war die Fahrt zu einem Kaff, zu dem er über Umwege hinkurvte, wo Frauen in traditionellen Gewändern scharf darauf waren, ihre Handarbeiten zu verkaufen und sich mit uns ganz touristenmäßig ablichten zu lassen. Das war sicher einer der unangenehmsten Momente in Peru. Schlussendlich kamen wir dann doch wohlbehalten in Urubamba an, wo der Sitz der Organisation „Corazones para Peru“ ist, bei der ich die nächsten beiden Monate arbeitete. Dieser arbeitet sehr eng mit dem Verein Zahnärzte helfen e. V. zusammen.

In den Tagen nach unserer Ankunft zeigte und Dr. Norbert Reiß, der 1. Vorsitzende des Vereins Zahnärzte helfen e. v., die wichtigsten Projekte: Das Herzstück nimmt das Kinderdorf Munaychay ein. Hier leben aktuell knapp über 50 Kinder aus wirtschaftsschwachen Elternhäusern in sechs Häusern betreut von sogenannten „tias“, also Tanten. Atemberaubende Hintergrundkulisse bietet der schneebedeckte Chicón.

Wir bekamen auch Einblick in unseren temporären zukünftigen Arbeitsplatz, was in diesem Falle die eben laufende Kampagne in Huayllabamba war, ein Dorf ca. 20 Minuten von Urubamba entfernt. An diesem Tag erlebte ich auch, was in den nächsten Monaten Programm sein sollte: Improvisation!

Da wurde schnell mal eben ein Kabel des Behandlungsstuhls, dass vor sich hinrauchte, mit bisschen Tesa wieder isoliert.

Huilloc

In Huilloc, einem abgelegenen Bergdorf, befindet sich ein anderer wichtige Standpunkt von Corazones para Peru, eine Art medizinisches Zentrum, mit Allgemeinarzt, Apotheke, Labor und einem gut ausgestattetem zahnärztlichem Behandlungszimmer. In den zwei Monaten behandelte ich dort nur etwa drei- oder viermal, da ein Großteil der Behandlungszeit von Brithz, der peruanischen Zahnärztin übernommen wurde und die Arbeit bei den Kampagnen auch deutlich spannender waren.
 

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Die Hauptarbeit bestand aus langen Kampagnen, indem einer unserer beiden mobilen Zahnarztstühle aufgestellt wurde. Besonderes Highlight war immer, wenn man Strom hatte und noch dazu die Wasserzufuhr des Behandlungsstuhls keine Faxen machte. Trotz teilweise widriger Bedingungen füllten wir fleißig Zähne, zogen Zähne und ab und rissen Mauern aus Zahnstein ein, was dann hieß: limpieza, no más!
Wir führten auch einige kurze Kampagnen durch, was immer eine Abwechslung zu den Alltagskampagnen war.

Chupani

Einmal fuhren wir nach Chupani, einem Bergdorf, das noch eine Stunde hinter Huilloc liegt. Wie in Huilloc auch laufen alle selbstverständlich mit Poncho und Hut, die Frauen auch mit den traditionellen bunten Röcken herum. Tradition ist es auch, die typischen schwarzen Sandalen zu tragen, die auf jeden Fall drei Nummern zu klein sein müssen, damit vorne die Zehen wie eine Hommage an die Kartoffel buchstäblich hervorwachsen. In Chupani funktionierte leider die Wasserzufuhr des Zahnarztstuhles nicht, sodass unser Behandlungsspektrum noch weiter eingeschränkt war. Ein weiteres Hindernis, das in Huilloc und Chupani, aber teils auch an anderen Orten ein Verständigungsproblem darstellte, war, dass die Patienten teilweise kein spanisch sondern nur Quechua sprachen. So half uns entweder Brithz oder ein anderer Peruaner aus.

Eine andere Kampagne führten wir in der Nähe von Quillabamba, etwa 170 km nördlich von Urubamba, durch. Trotz der geringen Entfernung herrschte dort ein komplett anderes Klima, da die Region nur auf ca. 1200 m Höhe ist.

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Maranura

Nach einer sehr kurvigen Hinfahrt, erstmal 1500 Höhenmeter rauf, dann 3000 runter, waren wir endlich in Maranura, wo wir uns in einem Raum der ortsansässigen Schule unser Equipment aufbauten. Bevor wir mit der Behandlung loslegen konnten, sahen wir uns erstmal einen sehr militärischen Marsch der gesamten Schule an, alle einschließlich Lehrer und Putzfrauen marschierten zu Trommeln und gewöhnungsbedürftigem Flötengequietsche. Peruaner lieben Umzüge und Aufmärsche! Während unseres ersten Kampagnentages fand parallel der Schulgeburtstag statt, weswegen wir ständig von lauter Musik umgeben waren und das Zuschauen bei der Behandlung eine besondere Attraktion für Kinder darstellte.

Herausforderungen

Wie auch in und um Urubamba war der Zustand der Gebisse teilweise katastrophal. Bis zur Pulpa abgefaulte Milchzähne sind das eine, als noch viel schlimmer empfand ich es, wenn dieses Problem sich bei den bleibenden Zähnen von 16 oder 17-jährigen Jugendlichen darstellte.

Trotz der Hitze arbeiteten vier Zahnärzte, oft parallel ohne Assistenz durch, bis keine Handschuhe mehr da waren.

Offenbar besteht zumindest im ländlichen Teil Perus kein Bewusstsein für Mundhygiene. Im schlimmsten Falle wird erst zum Zahnarzt gegangen, um sich die störende Wurzelreste entfernen zu lassen, aber nicht einmal das wird oft toleriert. Anscheinend hat das etwas mit dem alten Inkaglaube zu tun, dass man mit jedem verlorenen Zahn Kraft verliert.

Wie bereits erwähnt ist beim Großteil der Kinder massive Karies zu finden.

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An die Kinder und vor allem auch an die Mütter appellierten wir, ihnen nicht zu viel Süßes zu geben und den Kindern die Zähne zu putzen. Die Wirkung unserer Worte ist wahrscheinlich mäßig.

Auch wenn einem die Behandlung, die man den Patienten gewähren konnte, oft wie ein Tropfen auf einem heißen Stein anfühlte, hat das Behandeln an sich sehr viel Spaß gemacht.

Auch die Kinderbehandlung stellte sich meist als sehr unkompliziert dar, die Kinder sind im Regelfall sehr geduldig und compliant! Vor allem im Bereich der Behandlung dieser Patienten sollte man   auf spanisch die wichtigsten Sätze beherrschen, um den Kindern alles erklären zu können und ihnen auch bei bestimmten Dingen die Angst nehmen können. Die Kompositpistole oder die Spritze mit der Phosphorsäure riefen des Öfteren Unruhe hervor.

 


Fazit

Möglich wird die Behandlung nur durch die vielen Spenden, die die Famulanten im Vorfeld sammeln. Zahlreiche Firmen zeigten sehr viel Bereitschaft, mir Materialspenden zur Verfügung zu stellen. Mein Dank gilt den Firmen Meisinger, 3M, Komet, Eve Ernst Vetter, Merz- Dental, Voco, Horico, Humanchemie, Hu-Friedy, Dürr Dental, Ivoclar Vivadent, Busch und Alpro!

Viele Erfahrungen, die ich gemacht habe und Eigenheiten der Peruaner, die ich kennengelernt habe ich nicht erwähnt. Es ist ein wirklich abwechslungsreiches, lebendiges und „entspanntes“ Land, auch wenn immer zur Eile aufgerufen wird „Apúrate, apúrate“! Ich habe mich nie in Gefahr oder wirklich unwohl gefühlt. Allerdings sollte man wirklich wirklich sehr penibel auf Hygiene achten und sich auf jeden Fall gegen Typhus, Tollwut und evtl. auch Gelbfieber (wenn man vorhat, in den Regenwald zu fahren) impfen lassen.

 
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